Von Woche zu Woche

Das Versagen einer Behörde

Behörden sollen dem Wohle der Bürger dienen. Die Überwachung von Vorschriften einhalten und dafür sorgen, dass Dinge in geordneten Bahnen verlaufen.

Wenn aber eine Behörde das völlig aus dem Auge verliert, sondern nur noch (sich selbst) verwaltet anstatt ihre ursprüngliche Aufgabe wahrzunehmen, dann kann es schon einmal gefährlich werden. In diesem Fall ganz konkret für Dutzende von Schülern in Salzwedel. Dort geht es um die Gesundheit von Jungen und Mädchen. Doch die Salzwedeler Verwaltung ließ nur ein paar Schilder aufstellen und verfolgt ansonsten das tägliche Drama schulterzuckend.

Und was sich seit nunmehr über drei Wochen an der Salzwedeler Ernst-Thälmann-Straße abspielt, lässt einen die Haare zu Berge stehen. Schulkinder drängeln sich aus den Bussen, ganze Rudel überqueren eine vierspurige Straße, auf der Autofahrer es eilig haben, zur Arbeit zu kommen.

Eine Situation wie aus einem Lehrfilm. Und zwar aus einem, der zeigt, wie der sichere Weg zur Schule nie aussehen darf. In Salzwedel aber ist das Alltag. Weil die Fußgängerampel über die vierspurige Straße direkt vor der Schule ausgefallen ist. Immerhin, jetzt stehen Tempo-30-Schilder da – ein Witz im Berufsverkehr. Wann dieser untragbarer Zustand endlich beendet wird? Keiner weiß es. Der technischer Defekt ist noch nicht einmal gefunden. Und so bangen Eltern Tag für Tag, dass ihre Jungen und Mädchen unversehrt bleiben.

Und da ist man wieder bei jenem Satz, von dem man glaubte, dass er längst Geschichte ist im modernen Behörden-Zeitalter. „Muss erst was passieren?“ Um es mal brutal auszudrücken: Ja, es muss erst was passieren an der Thälmann-Straße. Es muss erst ein Schulkind angefahren und verletzt werden, damit die städtische Bauverwaltung aus ihrer Gleichgültigkeit erwacht. Bis dahin werden wir vor der Lessing-Schule jeden Tag Szenen ertragen müssen, die einen den Atem stocken lassen. Vielleicht Tage, vielleicht Wochen, vielleicht Monate.

Aber wenn es tatsächlich soweit kommen sollte in dieser Zeit, dass etwas Schlimmes passiert, hat man sich bei Polizei und im Salzwedeler Rathaus zumindest moralisch mitschuldig gemacht daran. Denn man hat eben vergessen, dass man eigentlich zum Wohle der Bürger handeln soll. Bei jeder Lappalie ist die Behörde sofort da. Hier, wo es um elementare Sicherheit geht, versagt sie. Ein Trauerspiel. Und auch ein Skandal.

Von Thomas Mitzlaff

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