Schuhabdrücke auf der Brust

30-jähriger Afghane vor Salzwedeler Nachtclub zusammengeschlagen: Zeugen fehlt die Erinnerung

Salzwedel – Der Fall um den 30-jährigen Afghanen, der vor einem Innenstadt-Club in Salzwedel zusammengeschlagen worden war (wir berichteten), ging mit neuen Zeugen in die nächste Runde.

Angeklagt ist ein 23-jähriger Salzwedeler, der den Afghanen zusammen mit einem anderen Mann Ende August 2018 verprügelt haben soll.

Am jüngsten Verhandlungstag kamen weitere Zeugen ins Spiel. Der erste, ein 50-jähriger Polizist, war jedoch in der Tatnacht gar nicht anwesend. Er hatte den Tatort am nächsten Tag untersucht, aber nichts Auffälliges entdecken können. Er befragte auch das Opfer im Krankenhaus. Eines sei ihm dabei besonders im Gedächtnis geblieben: Eine markante Wunde auf der Brust des Afghanen, die einem Fuß- bzw. Schuhabdruck ähnelte.

Amtsgerichtsdirektor und Richter Dr. Klaus Hüttermann wollte von dem Beamten wissen, ob er damals Hinweise auf mögliche Täter gehabt habe. Der Beamte gab an, dass zwei Namen gefallen seien. Genauer wollte er sich jedoch nicht festlegen, da der Fall schon zu lange her sei.

Der nächste Zeuge sollte Licht ins Dunkel bringen. Denn der 24-Jährige war in der Tatnacht dabei gewesen. Allerdings konnte er nicht die vom Gericht erhofften Informationen liefern. „Ich habe kaum noch etwas im Kopf darüber“, entschuldigte sich der junge Mann. Doch Richter Hüttermann blieb hartnäckig, ließ nicht locker und bohrte immer wieder nach. Wer war im Club anwesend? Ob er den Angeklagten gesehen habe? Welche Farbe das Tuch hatte, mit dem der Angreifer maskiert war? Der Zeuge beteuerte immer wieder, es sei zu lange her und er könne sich nicht mehr erinnern.

Dr. Hüttermann versuchte dem Gedächtnis des 24-Jährigen mithilfe des Vernehmungsprotokolls der Polizei von vor zwei Jahren auf die Sprünge zu helfen. Doch dies war ein ebenso erfolgloses Unterfangen. Auch die Fragen des Verteidigers und der Staatsanwältin blieben unbeantwortet. Er wisse nur noch, dass er durch seine damalige Freundin von dem Angriff auf den Afghanen mitbekommen hatte und sich zwischen Täter und Opfer gestellt habe, um dem attackierten Afghanen eine Chance zur Flucht zu ermöglichen.

Nun versuchte Richter Hüttermann den Zeugen auf seine Aussage von 2018 festzunageln. Damals hatte er erklärt, dass er den Angeklagten sicher erkannt hätte. Doch nun erwiderte der 24-Jährige, dass er sich nicht mehr zu 100 Prozent sicher sei. Es könnte auch jemand anderes gewesen sein.

Der Richter entließ den Zeugen. Am 23. Juni geht die Verhandlung ab 13 Uhr in die nächste Runde. Dann will Dr. Hüttermann ein Urteil fällen. Bis dahin soll die Staatsanwaltschaft auch klären, wie weit das Verfahren gegen den Mittäter inzwischen vorangekommen ist. lz

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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