„Es ging ganz offensichtlich heftig zur Sache“

Urteil im Prozess um versuchte Strangulation in Salzwedel

lz Salzwedel – Der Fall um einen 35-jährigen Deutsch-Kasachen, der versucht haben soll, seine Ex-Freundin mit einem Seil zu erwürgen, ging am Dienstag im Salzwedeler Amtsgericht in die dritte und letzte Runde.

Was passiert war: Der 35-Jährige soll Anfang April vergangenen Jahres zum ehemals gemeinsamen Haus des Ex-Paares gekommen sein, die ebenfalls 35-Jährige auf der Terrasse angetroffen, sie gepackt und nach drinnen gezerrt haben. Dort habe er sie auf das Sofa geworfen, ihr das Handy entrissen und es beiseite geworfen. Der Angeklagte habe seine Ex-Freundin geschlagen, niedergedrückt und versucht, sie mit einem Seil zu erdrosseln. Sie konnte sich jedoch wohl befreien und vor ihm fliehen. Kurz darauf kam die Familie der 35-Jährigen zu Hilfe geeilt. Anschließend sei der Beschuldigte zur Vordertür geflohen.

Dem Schöffengericht lagen bei der Verhandlung Polizei- Fotos vom Tatort vor. Zu sehen waren Glassplitter auf dem Wohnzimmerboden, ein kaputtes Gartentor, Verletztungen bei dem Angeklagten, das Seil und die 35-Jährige. „Durch die nicht so reine Haut kann ich hier wirklich nicht viel sehen. Ich kann kaum was erkennen“, meinte Hüttermann zu den Bildern der angeblichen Strangulationswunden der 35-Jährigen.

In den Schlussplädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, versuchten sie, die Beweise je zu ihren Gunsten auszulegen. So argumentierte die Staatsanwältin: „Die Abwehrspuren, die bei dem Angeklagten auf den Bildern zu sehen waren, beweisen es.“ Der Verteidiger hielt dagegen: „Den Kratzern kann man nicht ansehen, ob es Abwehr- oder Angriffsspuren sind.“ Und forderte für seinen Mandanten 90 Tagessätze. Die Staatsanwältin hielt eine Haft von 14 Monaten zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt für angemessener und forderte zusätzliche 200 Arbeitsstunden.

Das Schöffengericht befand den 35-Jährigen der Körperverletzung für schuldig und Richter Dr. Klaus Hüttermann sprach eine Strafe von 90 Tagessätzen zu je 13 Euro aus. Für das Reinzerren, Festhalten und Runterdrücken der Ex-Freundin habe es genügend Beweise gegeben, für den Strangulationsversuch nicht. „Es ging ganz offensichtlich heftig zur Sache, das konnten die Spuren und Bilder beweisen, den Rest nicht“, schloss Richter Hüttermann den Fall.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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