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Allgemeine Unzufriedenheit treibt Menschen in Salzwedel auf die Straße

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Von: Ulrike Meineke

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Menschen
Axel Erxlebe (l.) und Jörg Möller mit der klaren Botschaft „Preise runter“: „Wir waren 1989 auf der Straße und sind es jetzt wieder. Für das, was wir jetzt haben, sind wir damals nicht demonstrieren gegangen.“ © Meineke, Ulrike

Wachsende Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungen und weiter steigende Preise bringen auch in Salzwedel immer mehr Menschen auf die Straße. Sebastian Schwarz meldet die montäglichen Demonstrationen an und führt Buch darüber, wie viele Menschen teilnehmen. 

Salzwedel. Anfangs, als sich die Kundgebungen gegen Masken- und Impfpflicht richteten und als „Spaziergang“ deklariert waren, seien es um die 600 gewesen, die es jeden Montag auf die Straße trieb. Mit den gelockerten Corona-Beschränkungen wurden es weniger Demonstranten. Jetzt ist es in erster Linie die Unzufriedenheit mit den Regierungsentscheidungen, die mehr als 100 Menschen jeden Montag zum Ausdruck bringen. „Es werden wieder mehr Teilnehmer“, hat Schwarz beobachtet. „Es müssen noch viel mehr werden“, fügt der Salzwedeler Rainer Schuhl hinzu.

„Impfpflicht, Energiesanktionen, Krieg? Nein Danke! Für ein freies, friedliches Miteinander“ ist das Motto der Montagsdemos. Die Initiatoren betonen, dass sie Rassismus, Faschismus, Extremismus und Gewalt ablehnen und für „Frieden schaffen ohne Waffen“ stehen. „Je mehr Waffen wir liefern, desto länger dauert der Krieg“, meint etwa Karl Ritter. Es sei „nicht unser Krieg, aber wir müssen ihn und den Wiederaufbau bezahlen“, so der Salzwedeler. Was da auf alle zukommt – teure Energie und gestiegenen Preise – „das kann man einfach nicht mehr hinnehmen, das ist nicht zu stemmen“. Die generelle Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik betrifft auch das 9-Euro-Ticket, das jetzt ebenso wie der Tankrabatt ausläuft, aber bisher ohne Folgeangebote blieb. Niemand weiß, wie das vom Bundeskanzler angekündigte dritte Entlastungspaket aussehen soll und wann es kommt, und auch die Gasumlage stößt den Menschen sauer auf. Dass der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck da jetzt nachjustieren will, sorgt allgemein für Kopfschütteln.

Aber auch die Corona-Politik ist nach wie vor ein Thema. Die meisten EU-Länder haben ihre Corona-Regeln weitgehend zurückgefahren und die Pandemie für beendet erklärt. Und die Bundesregierung plant neue Regeln für Herbst und Winter mit Maskenpflicht und Isolation. „Das ist nicht gerechtfertigt“, findet etwa Gabriele Fischer. „Unerträglich“ sei das, besonders für die Kinder, meint eine Frau, die für ihre sechs Enkel auf die Straße geht.

„Der Irrsinn, den unsere Regierung veranstaltet, muss beendet werden“, fordert Gerd Baier. Der Dährer kam mit einem Schild „Strom, Öl, Sprit: Schluss mit der Abzocke“ zur Demo, die wie jeden Montag um 18 Uhr auf dem Rathausturmplatz startete.

„Viele Menschen kommen nicht, weil sie glauben, wir seien Spinner und Verschwörungstheoretiker“, sagt ein Mann, der anonym bleiben will. „Wir sind ganz normale Leute mit gesundem Menschenverstand“, betont der 57-jährige Lüchower. Er wünscht sich, dass noch mehr ihren Unmut auf der Straße kundtun. Denn es sei „offensichtlich, wohin diese Politik führt – in den wirtschaftlichen Kollaps und in die Armut, einhergehend mit Freiheitsentzug“.

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