400 000 Euro flossen schon in die Kampagne „Grüne Wiese“ – doch ob sie je realisiert wird, ist offen

...und noch hängt kein Plakat

+
Matze, der Angler am Arendsee – für Plakatmotive wie dieses kassierte die Werbeagentur, die die Ausschreibung gewann, etwas über 100 000 Euro.

Altmark. Der einsame Angler vom Arendsee wird womöglich niemals für die Altmark werben. Denn ob die umstrittene Marketing-Kampagne „Grüne Wiese“ jemals Touristen in die Region locken wird, ist noch völlig offen.

400 000 Euro flossen bislang allein schon in die Entwicklung des Projektes. Doch um es umzusetzen, müssten die Landkreise Salzwedel und Stendal viel Geld in die Hand nehmen. Falls sich dafür keine Mehrheit findet, wird niemals irgendwo ein „Grüne Wiese“-Plakat hängen.

Doch warum kostet allein schon die Entwicklung einer solchen Marketing-Kampagne fast eine halbe Million Euro? Weil der größte Teil des Geldes von der EU als Förderung kommen sollte. Das hat auch geklappt – aber es hat das Projekt geradezu aberwitzig verteuert. Denn EU bedeutet auch Bürokratie – und den Papierkrieg, der dann zu bewältigen ist, meistern nur darauf spezialisierte Fachleute.

Zuständig für die Ausschreibung der Kampagne ist die Regionale Planungsgemeinschaft Altmark, ein Zweckverband der Landkreise Salzwedel und Stendal. Die stellte eigens für dieses Projekt erst einmal eine Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte ein, die anderthalb Jahre werkelten. „Es handelt sich um einen Verwaltungsspezialisten, einen Marketingexperten und einen Kollegen, der den künstlerischen Bereich abdeckt“, erläutert Steffen Kunert, Salzwedeler Geschäftsstellenleiter der Planungsgemeinschaft. Kosten für die drei zusätzlichen Mitarbeiter: knapp 175 000 Euro.

Die neuen Kollegen erarbeiteten Aufgabenstellungen, sie sorgten dafür, dass das Projekt im Landes- und Europaanzeiger erschien – denn damit EU-Mittel fließen, musste die Kampagne europaweit ausgeschrieben werden. Ein gutes Dutzend Angebote von Werbeagenturen gingen ein, ausländische Offerten waren nicht darunter – erstaunlich ist das für Fachleute nicht, schließlich sehen bei Werbekampagnen fremde Interessenten zumeist schon wegen der Sprachbarrieren von einer Teilnahme ab.

Die Wahl fiel schließlich auf die Werbeagentur Boy aus Schleswig-Holstein, die die „Grüne Wiese“ entwickelte und dafür knapp über 100 000 Euro kassierte. Mehr als 60 000 Euro kostete dann noch die Entwicklung unter anderem eines Marketingkonzeptes für die Kampagne. Dazu kommen knapp 31 000 Euro Sachkosten, und, und, und... Macht unter dem Strich 400 000 Euro.

Letztlich müssen jetzt die beiden Landkreise entscheiden, ob sie Geld für die Umsetzung der Kampagne in die Hand nehmen wollen. Tun sie das nicht, müssen sie zumindest keine Strafe zahlen – die EU will die Fördermittel nicht zurück.

Von Thomas Mitzlaff

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare