Weihnachtsmarkt offenbarte erneut Logistikprobleme der Innenstadt: Kluge Köpfe tüfteln an Lösung

Umweltfreundlicher Umschlagplatz

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Neben dem sogenannten Selfstorage, der bereits seit fünf Jahren dauerhaft oder im ständigen Wechsel genutzt werden, lagern Geschäftsleute auch ihre Unterlagen im Speicher ein. Kerstin Heinrigs hat gerade eine Lieferung angenommen.

Salzwedel. Kleine wendige und schadstofffreie Elektrofahrzeuge sausen durch die Innenstadt und beliefern Händler und Handwerker.

Zukunftsmusik in Salzwedel? Denn logistische Probleme bei Lieferungen in die Innenstadt, wie sie während des fast drei Wochen lang dauernden Weihnachtsmarktes an der Breiten Straße auftraten, sind kein Einzelfall. Auch an der anderen Fußgängerzone, der Burgstraße, müssen die Geschäfte bis 11 Uhr beliefert sein. Dann nämlich setzen die Politessen die Poller. Wer später Ware bekommt, muss mit der Sackkarre zum Geschäft. Oder mit einem kleinen Elektromobil – dann kann er das aber, wann immer er will bzw. Ware benötigt. Doch diese muss irgendwo lagern. Denn die Flächenangebote der vielen kleinen Läden sind gering.

Ob ganze Räume oder nur Teile davon, freie Lagerflächen oder verschlossene Räume – das Logistik-Konzept funktioniert.

Schon Anfang der 1990er Jahre gab es im Stadtrat Ideen für ein großes Logistikzentrum vor den Toren der Stadt. Von dort aus sollten Waren, Materialien und Pakete mit Kleintransportern in die Innenstadt geliefert werden. Umgesetzt hat das jedoch niemand. Doch nun gibt es neue Ideen. Und nun geht es nicht mehr nur darum, Brummis aus der Innenstadt fernzuhalten, sondern auch um die Umweltbelastung, die durch eine wachsende Zahl von Fahrzeugen den CO2-Ausstoß minimieren soll.

Einer, der sich mit den Salzwedeler Logistik-Problemen auskennt, ist Christoph Heinrigs. Denn ihm gehört der Speicher an der Ackerstraße, in dem schon seit geraumer Zeit Geschäftsleute und Handwerker Waren und Material einlagern. Denn das Problem ist vor allem eins: Die kleinen Läden in der Hansestadt haben kaum Lagermöglichleiten und immer weniger Kunden wollen auf Bestellungen warten. „Dann können sie gleich im Internet ordern“, sagt Heinrigs.

Seine Idee knüpft im Prinzip an das einst angedachte Logistikzentrum an. Doch das ist zu groß für eine Stadt wie Salzwedel, damit es sich rechnen würde. Heinrigs setzt auf eine Nummer kleiner und effizienter für die Hansestadt. Sein Speicher liegt verkehrsgünstig nahe der Zentrumsausfahrt von der B 71. Auf den unterschiedlichsten Flächen und in verschiedenen Räumen lagern im Speicher in der Stadt dringend benötigte Waren. Das reicht von Firmen, die dort ihre Ersatzteile unterbringen, über Handwerker, die vor Auftragsbeginn das bestellte Material im Speicher zwischenlagern, bis hin zu Firmenunterlagen, die trocken und klimatisiert untergebracht sind. So ist zum Beispiel auch das komplette Salzwedeler Stadtarchiv in den Speicher eingezogen.

Selbst einen sonst nur aus Großstädten bekannten sogenannten Selfstorage gibt es dort seit fünf Jahren. Das sind abschließbare Kleinlagerräume für Privatleute, die zwischen sechs und 48 Quadratmeter groß sind. Alles hochgesichert und videoüberwacht.

Doch zurück zur Innenstadtbelieferung: Heinrigs weiß aus seinen bisherigen Erfahrungen, dass Private wie auch Firmen oft nur kurzfristig Lager brauchen. Das kann er im Speicher gut koordinieren. Nun bleibt die Frage: Wie kommen die Waren, die Materialien zum Händler, zum Handwerker in der Innenstadt? Für die Zukunft sieht Heinrigs ein Beliefern der Innenstadt mit Elektromobilen – von Lastenfahrrädern bis zu kleinen Fahrzeugen, die sich auch durch den Salzwedeler Weihnachts- oder Nysmarkt schlängeln können. Letzterer glänzt schon seit Jahren mit seiner eigenen Innovationsmeile rund um die Elektromobilität. Und auch die Deutsche Post hat dieses Konzept entdeckt und setzt mit Elektrofahrrädern und Elektroautos sogar aus eigener Produktion auf eine saubere Umwelt in den Städten.

Von Holger Benecke

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