Ausweichen über Mühlenweg für Bürgermeister keine Alternative

Brückenneubau bei Niephagen: Umleitung zerstört Umwelt

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Auf der Tylsener Pflasterstraße wird es eng und laut, wenn dort eine Umleitung entlanggeführt werden soll.

Niephagen / Tylsen / Wallstawe. Frank Wulff macht mobil gegen den geplanten Brückenneubau an der Landesstraße 8 bei Niephagen. Dieser soll in diesem Jahr in Angriff genommen werden. Doch noch ziehen sich die Absprachen hin.

Links neben der L-8-Brücke in Niephagen könnte während des Brückenbaus eine Ausweichspur neben der Landesstraße entstehen. Platz ist vorhanden, denn der Wald ist einem Sturm zum Opfer gefallen.

Wulff befürchtet hohe Umweltschäden durch eine während der Bauzeit ins Auge gefasste Umleitung über Tylsen, den Mühlenweg und Wallstawe. Die soll zwar eigentlich nur für den Busverkehr gelten, doch Frank Wulff wie auch sein Amtskollege Klaus-Dieter Schrader aus Tylsen befürchten, dass der Rest des Fahrzeugverkehrs inklusive des Schwerlastverkehrs von Salzwedel in Richtung Wittingen und in der Gegenrichtung der Spur der Busse folgen wird.

Um diese Ecke in Tylsen müssten Busse und Laster zirkeln. Bislang ist das Befahren des Mühlenweges mit Kraftfahrzeugen verboten.

Ursprünglich wollte die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) in Stendal, die für die L 8 verantwortlich ist, die Brücke neu bauen. Das Bauwerk sollte, wie auch die Beeke-Brücke bei Wallstawe, eine sogenannte Otterberme (großer Durchlass) bekommen. Die Untere Wasserbehörde wie auch die Untere Naturschutzbehörde vom Altmarkkreis Salzwedel machten in einem Schreiben an die LSBB am 28. April vergangenen Jahres deutlich, dass man auf eine Otterberme getrost verzichten könne. Und begründeten, dass der Wasserstand im Durchlass unter der L 8 bei Niephagen gering sei und auch zu vielen Zeiten überhaupt kein Wasser fließe, erläuterte Umweltamtsleiterin Katrin Pfannenschmidt gestern.

Eine Durchlasserneuerung und das Sanieren der Stützmauern hätten ausgereicht, meint Wallstawes Bürgermeister Frank Wulff. Doch es soll, so der gegenwärtige Stand, nach Willen des Baulastträgers LSBB eine neue Brücke sein.

Die Wallstawer Mühle ist nur eines der Nadelöhre auf der ins Auge gefassten Umleitungsstrecke.

Dafür musste eine Umleitung gefunden werden. Und die soll über Tylsen und den Mühlenweg nach Wallstawe wieder auf die L 8 führen (wir berichteten). Das hatte bereits Tylsens Bürgermeister Klaus-Dieter Schrader kritisiert. Der befürchtet, dass dann der gesamte Verkehr von und nach Salzwedel und Wittingen über die Tylsener Pflasterstraße poltert und um die scharfe Ecke zwischen ehemaliger Gaststätte und alter Pfarrscheune manövrieren würde. Schrader sorgt sich um die Lärmbelästigung der Anwohner durch Laster und die vielen Fahrzeuge auf dem Dorfstraßen-Pflaster und sieht auch mögliche Straßen- und Gebäudeschäden vorprogrammiert.

Sein Kollege Frank Wulff weist auf den schmalen Mühlenweg in fast unberührter Natur hin, auf dem sich jetzt schon keine Pkw begegnen können. Dürfen sie eigentlich auch nicht, denn die Piste ist für Kraftfahrzeuge und Motorräder gesperrt.

„Nun soll eine Brücke bzw. ein großer Durchlass in Niep-hagen gebaut werden und bei Vollsperrung und einer notwendigen Umleitung der Fahrzeugverkehr durch ein unberührtes Naturgebiet geführt werden“, sagt Wulff. Und fragt: „Wer berechnet eigentlich die damit verbundene Umweltbelastung – Mehrkilometer, zerfahrene Wege, Belastung durch Abgase und Staub im Umleitungsbereich?“ Weiter sieht Wulff mit der Umleitung, die erst zu einer solchen aus- und wieder zurückgebaut werden muss, die Kosten in die Höhe getrieben: „Steuergelder, die an anderen Straßenabschnitten dringend gebraucht werden.“

Es liegt noch eine andere Variante auf dem Tisch: Als die Umleitung für den Brückenbau ins Auge gefasst wurde, stand der Wald zwischen Brücke und Niephagener „Waldschlösschen“ noch. Doch die Bäume sind im Juli 2016 einem Sturm zum Opfer gefallen. Dadurch kam die Idee auf, auf der entstandenen Freifläche entlang eine kurze Ausweichspur neben der L 8 zu führen. Ein kurzes Stück neben der Straße oder kilometerlang durch die Natur? Das ist die Frage, die Frank Wulff in den Harnisch bringt.

Von Holger Benecke

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