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Übungsgranaten für Panzerbüchsen auf alter Radarstation auf Krangener Berg verscharrt

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Von: Ulrike Meineke

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Pascal Wollgramm hat am Mittwoch bei Erdarbeiten auf der alten Radarstation (Krangener Berg) bei Salzwedel jede Menge Übungsgranaten für sowjetische Panzerbüchsen vom Typ RPG-7
entdeckt.
Pascal Wollgramm hat am Mittwoch bei Erdarbeiten auf der alten Radarstation (Krangener Berg) bei Salzwedel jede Menge Übungsgranaten für sowjetische Panzerbüchsen vom Typ RPG-7 entdeckt. © Freier Mitarbeiter

„Na klar muss man immer damit rechnen“, sagt Pascal Wollgramm. Aber als seine Baggerschaufel am Mittwoch bei Arbeiten auf der alten Radarstation (Krangener Berg) an der B 190 bei Salzwedel in Richtung Pretzier zum Herrichten des Lagerplatzes der Firma Bauservice Altmark für Beton-Recycling auf vermeintliche Panzerfäuste traf, war er doch „ein bisschen geschockt“.

Salzwedel – Platzwart Wollgramm rief seinen Chef Steffen Coßbau an, der informierte die Polizei. Die Dinge nahmen schnell ihren Lauf: Kurze Zeit später war der Kampfmittelbeseitigungsdienst da und stellte schnell fest: Es handele sich um Übungsgranaten für russische Panzerbüchsen, sagte Ingo Wiedemann, Truppführer des Landes-Kampfmittelbeseitigungsdienstes, gegenüber der AZ. Er und sein Kollege verpackten etwa 200 Kilo Waffen-Schrott. „Das wird vernichtet“, betonte der Truppführer. Wo das passiert, wollte er nicht sagen.

Historischer Kontext

Die Übungsgranaten der sowjetischen Panzerbüchse RPG-7 (siehe Infokasten) gehörten auch zur Grundausstattung der NVA, weiß AZ-Redakteur Holger Benecke. Er bringt die Dinge so in den historischen Kontext: Zunächst ist von Bedeutung, dass seit 1935 auf dem Areal der Fundstelle das Peilerhäuschen (sendete Peilsignale für Flugzeuge aus) des nahen Salzwedeler Fliegerhorstes stand, der im Zweiten Weltkrieg von der Luftwaffe genutzt wurde. Im Kalten Krieg diente der Fliegerhorst als Hubschrauberlandeplatz der DDR-Grenztruppen. Außerhalb des Flugplatzes, nämlich dort, wo das Peilerhäuschen stand, richtete die Rote Armee eine Radarstation ein. Die verließ sie am 5./6. Mai 1991, und zwar besenrein. Danach wurde das Areal von Gesellschaften für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) genutzt.

„Zusammengekehrt und verbuddelt“

Belegbar ist, dass eine ABM-Gesellschaft dort kontaminierte Schlämme entsorgt hatte. Der gestrige Zufallsfund ist sehr wahrscheinlich auch in die Kategorie „illegale Entsorgung“ einzuordnen, denn die Waffen-Fragmente stammen vermutlich von Schießplatzberäumungen in den 1990er-Jahren, die die ABM-Gesellschaften damals durchführten. Darauf deuten auch jede Menge abgeschossener Schrotpatronen hin, die gestern zusammen mit den Granaten gefunden wurden. „Wahrscheinlich wurde das alles auf irgendeinem Schießplatz zusammengekehrt und auf der alten Radarstation verbuddelt“, ist die einzige Erklärung für Benecke, der die Historie des Fliegerhorstes sehr genau kennt. Für die illegale Entsorgung spreche auch, dass viele Granaten mit der Flex durchgesägt waren, außerdem eine Kiste Weizenbier (ausgetrunken), die sich zwischen dem Munitionsschrott fand.

So kam eine Umweltsünde aus der frühen Nachwendezeit Jahrzehnte später doch noch ans Tageslicht. Pascal Wollgramm jedenfalls hofft, keine weiteren Überraschungen im Erdreich der alten Radarstation zu finden.

Panzerbüchse / Panzerfaust

• Die RPG-7 ist eine reaktive Panzerbüchse, die in der Sowjetunion entwickelt wurde. Aufgrund ihrer einfachen und
zuverlässigen Bauweise und ihres geringen Preises wurde sie zur verbreitetsten Panzerabwehrwaffe der Welt. Schätzungen aus dem Jahr 2002 gehen von über neun Millionen gebauten Exemplaren aus.

• Im Gegensatz dazu ist die Panzerfaust eine deutsche reaktive Panzerbüchse aus dem Zweiten Weltkrieg, produziert
für die Panzerabwehr. Der Begriff Panzerfaust wurde zum Synonym für den gesamten Waffentyp. Quelle: Wikipedia

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