Wolfgang Dahse ist derzeit auf Rollstuhl angewiesen – und testet die Wege

Salzwedel: Über Kanten und Höhen hinweg

Wolfgang Dahse vom Amselweg ist aufgrund eines Unfalls derzeit auf einen Rollstuhl angewiesen. Stur zuhause bleiben will der Salzwedeler deswegen nicht und ist trotz Handicap fast täglich in der Stadt unterwegs.
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Wolfgang Dahse vom Amselweg ist aufgrund eines Unfalls derzeit auf einen Rollstuhl angewiesen. Stur zuhause bleiben will der Salzwedeler deswegen nicht und ist trotz Handicap fast täglich in der Stadt unterwegs.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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Einen Moment hat er nicht aufgepasst, dann rutschte der Fuß weg, und am Ende war Wolfgang Dahse mit dem Bein schmerzhaft und folgenreich gegen eine Wand gekracht. Knochenschaden im rechten Bein.

Salzwedel – Eine ganze Weile wird der Salzwedeler auf Hilfsmittel wie Rollstuhl und später Krücken angewiesen sein.

Doch wer es gewohnt ist, sich mehr oder minder problemlos durch seine Umwelt zu bewegen, der muss sich erst einmal an Einschränkungen in der Fortbewegung gewöhnen. Für den Anwohner des Amselweges eine nicht immer unproblematische Erfahrung, wie er bei einem Rundgang mit der AZ sagt.

„Es wird einem bewusst, wie schwer das ist“, meint Wolfgang Dahse beim manchmal mühsamen Anschieben der Rollstuhlräder. Manchmal bleibt er unvermittelt an einer Kante hängen. Wo Fußgänger problemlos drüber hinwegsteigen, bleiben Räder eben hängen.

Mindestens jeden zweiten Tag sei er unterwegs – zur Altmark-Passage, zum Aldi an der Schillerstraße oder auch in der Innenstadt. Manche dortigen Kopfsteinpflasterpassagen seien für Rollstühle und Rollatoren regelrechte Höllenwege, wie der Hansestädter umschreibt.

Es gebe nur wenige Stellen, wo es optimal vorwärtsgehe. Meistens sind es sanierte Straßenabschnitte, wenngleich nicht immer. Wolfgang Dahse erwähnt den Südbockhorn und das dort nach der Sanierung vielfach kritisierte zu steile Gefälle des Gehwegs. Solche Unebenheiten seien für Rollstuhlfahrer ein Problem, erklärt er. Weil das Gefährt ständig Richtung Straße drücke, müsse er mit einer Hand stärker gegensteuern. Solche Kleinigkeiten bestimmen das Leben von Menschen, die temporär oder gar dauerhaft nicht eigenständig gehen können.

Steigungen wie diese zum Parkplatz an der Altmark-Passage sind für Rollstuhlfahrer ein echter Kraftaufwand.

Mit der AZ ist Wolfgang Dahse an diesem Tag aber nicht in der Altstadt unterwegs, sondern dreht stattdessen vom Amselweg eine Runde zur Altmark-Passage. Auf dem Weg zur Bushaltestelle Ernst-Thälmann-Straße geht es über ein zehn Meter langes Stück Schotter. Warum wurde dieses kurze Ende nicht befestigt?, fragt sich der Anwohner. Die vor wenigen Jahren neu gemachte Bushaltestelle kann er ohne Mühe passieren. Auch über die Bundesstraße kommt er rechtzeitig hinüber.

Eine Herausforderung wartet erst wieder beim Befahren des Parkplatzes der Altmark-Passage. Eine kurze, knackige Steigung verlangt dem Mann im Rollstuhl alles ab. „Das zieht aber in der Schulter“, kommentiert der 63-Jährige und will sich nicht vorstellen, wie wohl eine ältere, kraftlosere Person dort ohne Unterstützung hinaufkommt. Etwas weiter stößt der Salzwedeler an ein weiteres häufiges Problem: zu hohe Bordsteinkanten beim Übergang zur Straße. Nur mit Schwung schafft er den Höhenunterschied. Selbstverständlich gebe es auch Tricks dafür, etwa das Schräganfahren, aber das sei aufgrund eines möglichen Umkippens nicht ungefährlich, plaudert Wolfgang Dahse aus seiner Erfahrung. Er findet es erstaunlich, dass es in Salzwedel so viele bauliche Unterschiede gebe.

Positiv die Reaktionen seiner Mitmenschen: Viele hätten ihre Hilfe angeboten, und Autofahrer würden starke Rücksicht nehmen.

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