Taugt Reichskanzler Bismarck heutzutage noch als Vorbild?

Ein Turm und sein Name

Der Bismarck-Turm ist untrennbar mit dem Reichskanzler verbunden – und wurde zu seinen Ehren gebaut.
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Der Bismarck-Turm ist untrennbar mit dem Reichskanzler verbunden – und wurde zu seinen Ehren gebaut.

Salzwedel – Besprühte Statuen, kontroverse Straßennamen und umgestürzte Denkmäler – die Frage nach dem Umgang mit der eigenen Geschichte ist in einigen Ländern derzeit wieder heiß am Kochen.

Nach dem Willen einiger sollten Hinweise auf Akteure der Kolonialzeit sowie anderer rassistisch behafteter Epochen am liebsten ganz getilgt werden.

In Salzwedel selbst ist es diesbezüglich zwar deutlich ruhiger, aber es gibt mit dem Bismarck-Turm auf dem Schwarzen Berg einen besonderen Fall. Denn Name und Gebäude sind eng miteinander verknüpft; der Turm wurde 1899 / 1900 explizit zu Ehren des Eisernen Kanzlers Otto von Bismarck errichtet.

Aber warum könnte der wohl bedeutendste deutsche Staatsmann des 19. Jahrhunderts zur Zielscheibe werden? Bismarck war Gastgeber der Kongo-Konferenz; in Berlin wurde 1884 / 1885 Afrika unter den Weltmächten aufgeteilt. Kontrovers dabei: Der belgische König Leopold II. behielt seine Privatkolonie (Kongo), wo mit grausamer Hand der Kautschukanbau betrieben wurde.

Der Bismarck-Turm selbst hat schon eine Namensänderung hinter sich. Zu DDR-Zeiten hieß er Jenny-Marx-Turm – zumindest offiziell.

Zu solchen Umständen will der Vorsitzende des für den Turm verantwortlichen Preußenvereins Altmark, Gerald Herr, nicht mehr zurückkehren. „Ich wäre nicht dafür“, antwortet er auf eine hypothetische Umbenennung. „Wir betreiben keinen Bismarck-Kult“, sagt er weiter.

Für Gerald Herr sei es schwierig, dann irgendwo eine Grenze zu ziehen. „Dann könnten wir alles umbenennen“, meint er und nennt als Beispiel den Bismarck-Hering. Herr schränkt dann doch ein: Bismarck sei historisch zwiespältig zu betrachten, aber er habe nun einmal viel für die Entwicklung der Region getan. Anstatt still und leise Namen zu ändern, müsse sich einer möglichen Diskussion gestellt werden, hat der Preußenvereinschef seine Meinung. VON JENS HEYMANN

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