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Salzwedel: Suff nach schlimmer Nachricht – und dann auf Straße erwischt

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Von: Jens Heymann

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Der Hauptverhandlungssaal im Amtsgericht Salzwedel.
Der Hauptverhandlungssaal im Amtsgericht Salzwedel. © Wasinski, Stefan

Die von manchen Zeitgenossen als manchmal zu nachgiebig empfundene deutsche Justiz kann auch anders. Diese Erfahrung hat nun ein 38-jähriger Salzwedeler im Amtsgericht der Stadt gemacht. Dort wurde ihm in einem Prozess (Trunkenheit im Straßenverkehr) deutlich zu verstehen gegeben, dass ihn das sprichwörtlich dünne Eis, auf dem er sich strafrechtlich bewegt, beim nächsten falschen Schritt nicht mehr tragen wird.

Salzwedel – Worum ging es genau? Im Juni 2021, etwas später am Abend kurz nach halb elf, war der Mann mit dem Fahrrad auf dem Schäferstegel unterwegs nach Hause. Das Problem dabei: Er hatte 2,15 Promille im Blut und wurde von der Polizei erwischt.

„An dem Tag ist auf der Arbeit alles schiefgelaufen“, erinnerte sich der Angeklagte im Gericht. Er sei nach Feierabend im Garten gewesen und habe dann einen Anruf erhalten, dass es einen schwerwiegenden Vorfall mit einem Kollegen gegeben hätte. Diese Nachricht habe ihm „die Beine weggehauen“, fuhr der Mann fort. Danach habe er sich mit Bier ordentlich volllaufen lassen. „Ich weiß nicht, was mit mir los war“, zeigte sich der Beschuldigte vor der Justiz reumütig.

So tragisch der Auslöser für das Trinken auch gewesen sein mag – der Richter traf eine naheliegende Feststellung: „Sie hätten auch zur Wohnung gehen können.“

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde öffentlich, dass der 38-Jährige ein ernsthaftes Problem mit Alkohol hat. „Irgendwann wird es Zeit, sich das mal ins Gesicht zu sagen“, meinte der Richter zum angeklagten Mann. Und auch strafrechtlich ist der Beschuldigte nicht unbescholten. Neun Einträge, einige davon einschlägig, wurden aufgezählt. Das permanente Abzahlen von Geldstrafen kommt als Bürde für den Salzwedeler noch hinzu.

„Ich habe ein Problem mit Alkohol“, gab er zu. „Aber ich bin dabei, das in den Griff zu bekommen.“ Dabei erhoffe er sich Unterstützung durch seine neue Lebensgefährtin.

Diese Hilfe wird er auch gebrauchen können. Für die Staatsanwältin kam jedenfalls keine reine Geldstrafe mehr in Frage – die hätte der Mann bereits in ordentlicher Höhe erhalten. Nun sei es Zeit für eine härtere Strafe.

Das Gericht folgte mit dem Urteil exakt dieser Linie. Vier Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu zwei Jahren auf Bewährung, plus 400 Euro Geldstrafe. „Sie werden nicht aufhören, wenn Sie nicht ein deutliches Zeichen bekommen“, erklärte der Richter zur Begründung. Sich volllaufen zu lassen sei nicht verboten, dann habe er aber auch nichts im Straßenverkehr verloren, hieß es unter anderem in der langen Belehrung.

Zwei Jahre muss der rechtskräftig verurteilte Salzwedeler nun auf jeden seiner Schritte achten – ansonsten stürzt er ohne Rettungsschirm ins Gefängnis.

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