Fahrkartenverkäufer Gottfried Schlegel darf keine Sanitäranlage mehr benutzen

Toiletten-Zoff im Salzwedeler Bahnhof

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An der Tür der Bahnhofstoilette wurde ein Schild „Stop Privatbereich: Zutritt verboten!“ vom Eigentümer angebracht.

Salzwedel. Die Toiletten-Situation im Salzwedeler Bahnhof hat bizarre Züge angenommen. Leidtragende sind nicht nur Reisende, die ein WC aufsuchen wollen, sondern auch Fahrkartenverkäufer Gottfried Schlegel.

Bahnhofseigentümer Christian Schulz hatte sich bereit erklärt, eine Herren-, eine Damen- und eine Behindertentoilette im Bahnhof installieren zu lassen. Die sind zwar montiert, sodass sie benutzt werden könnten. Das Drumherum ist nach wie vor eine Baustelle. Der Stadtrat hatte Ende März beschlossen, den Betrieb und die Unterhaltung der Toilette mit 1363 Euro monatlich zu finanzieren. Nun prangt an der Tür zum Sanitärbereich ein Papier „Stop – Privatbereich – Zutritt verboten“. Warum? Das weiß niemand so recht. Eigentümer Christian Schulz war für unsere Redaktion gestern nicht zu erreichen.

„Seit einem Jahr befinden sich die öffentlichen Bahnhofstoiletten im gleichen Zustand, da passiert einfach nichts“, ist Schlegel erbost über den baulichen Zustand. „Es gab einige Kunden, die hatten diese schon genutzt, doch nun darf keiner mehr drauf.“ Fahrkarten-Verkäufer Schlegel vermutet, dass das Gesundheitsamt eingeschritten ist. Allerdings: Für den Kreis existieren die Toiletten formell gar nicht. Auf Nachfrage heißt es vom Landkreis: „Das Gesundheitsamt ist für den hygienischen Zustand einer öffentlichen Bahnhofstoilette zuständig. Eine solche existiert jedoch schon sehr lange nicht mehr.“ Der Kreis bestätigt die Vermutung des Fahrkartenverkäufers nicht.

Was bleibt, ist die Toilette für die Betreiberfamilie des neuen Kiosks. Die befindet sich in dem Raum, in dem irgendwann einmal ein Café eröffnen soll. Nur: Die darf Fahrkartenverkäufer Schlegel nicht nutzen. Warum? Die Verantwortlichen des Kiosks wollten sich dazu nicht äußern. So muss Schlegel den Schalter immer schließen, um nach Hause zu fahren, wenn es drängt. Das wiederum ärgert diejenigen, die in dem Moment Tickets kaufen wollen.

Von Paul W. Hiersche und Jens Schopp

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