Branche ringt um Nachwuchs

Tischlergesellenprüfung im Altmarkkreis – Vier Neue gegen den Mangel

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Jürgen Grüttner (vorn) und Lars Peters (rechts dahinter) von der Prüfungskommission erklären dem Tischlernachwuchs aus der westlichen Altmark in den Räumlichkeiten der Salzwedeler Berufsschule die Ergebnisse im Detail.

Salzwedel / Altmarkkreis – Mit Katharina Heintz (Drebenstedt), Jeremias Neumann (Packebusch), Tim Reß (Gardelegen) und Dominik Rupnow (Genzien) haben am Sonnabend vier junge Tischler ihre Gesellenprüfung bestanden.

Ein Schreibtisch, ein Fernsehschrank und ein kleiner Schrank waren drei der Gesellenstücke.

Neben ausreichendem Theoriewissen mussten sie dafür auch einen Beweis ihrer Handwerkskunst abliefern – in Form eines Gesellenstücks. Tür, Schreibtisch, Fernsehschrank und Einzelschrank wurden von der Prüfungskommission – Lars Peters, Jürgen Grüttner, Matthias Loth und Klaus-Dieter Krüger – abgenommen.

Vier Wege zum Ziel

Die jungen Tischler selbst haben auf unterschiedliche Weise den Weg in den Holzberuf gefunden.

Katharina Heintz, Drebenstedt

Katharina Heintz aus Drebenstedt machte in der Berufsschule ein berufsvorbereitendes Jahr. Im Bereich Holz und Metall fand sie gefallen am Naturstoff. Als Frau ist sie dennoch Exotin; sie habe während ihrer Ausbildung nur wenige andere getroffen, von denen manche wieder aufgehört hat. „Ich habe mir von vornherein gesagt: Ich ziehe das durch.“ Vor dem Anpacken drückt sie sich nicht: „Ich trage mit den Jungs auch mal eine schwere Tür.“

Tim Reß, Gardelegen

Tim Reß aus Gardelegen hat sich hingegen schon immer für Holz interessiert. Daher sei es auch sein Ziel gewesen, ein Handwerk zu erlernen. Ob er nach dem Gesellen noch den Meister dranhängt, konnte er noch nicht sagen. Dafür habe er seinen Arbeitsvertrag bereits sicher.

Dominik Rupnow, Genzien

Eine recht abenteuerliche Geschichte kann Dominik Rupnow aus Genzien erzählen. Eigentlich wollte auch er einen Fernsehschrank als Gesellenstück abliefern, doch eine Woche vor der Abgabe brannte es bei seinem Arbeitgeber in Arendsee, und alle Utensilien gingen im Feuer verloren. Daraufhin fing er in abgespeckter Form nochmal von vorn an. Auch er habe bereits einen Arbeitsvertrag, sagt er. Seine Berufswahl sei dabei eigentlich „mehr eine Notlösung“ gewesen. Nachdem aus Straßenbauer nichts geworden sei, habe ihn sein Stiefvater von einer Tischlereilehre überzeugt.

Jeremias Neumann hat für das elterliche Heim in Packebusch eine neue Haustür gebaut. 

Vierter erfolgreicher Prüfling in der Berufsschule war Jeremias Neumann aus Packebusch. Das Handwerk mache ihm Spaß, und er denkt gleich strategisch: Für sein Elternhaus, das er eines Tages übernehmen will, hat er eine neue Haustür gebaut. „Gesehen hat die noch keiner“, spielte er auf die Überraschung zuhause an.

Nachwuchsmangel

Die Tischlerbranche an sich kämpft mit Nachwuchsmangel. „Es fehlen Fachkräfte – wie in allen Gewerken“, so Prüfungsvorsitzender Lars Peters. Immer weniger junge Menschen und immer kleinere Klassen führten dazu, dass mittlerweile um die Ausbildung in der Berufsschule gebangt werden müsse. „Ob wir ein neues erstes Lehrjahr bekommen, wissen wir noch nicht“, meinte Peters. Bereits die vier Absolventen waren nur das erste Jahr in Salzwedel gelernt, danach in Stendal. Dort wiederum mangele es an Lehrern, so Prüfungskollege Jürgen Grüttner. Vorbei die Zeiten, als bis zu 40 Leute pro Jahr den Beruf erlernten. Ein anderes Problem: Viele gingen in die Industrie statt ins Handwerk.

VON JENS HEYMANN

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