Musiktruhe und Surfgarderobe dabei

Tischler sind irgendwie auch Künstler: Gesellenstücke in der BBS Salzwedel bewertet

Jim Maximilian Brose zeigte seine Musiktruhe und legte gleich eine Scheibe auf.
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Jim Maximilian Brose zeigte seine Musiktruhe und legte gleich eine Scheibe auf.

Salzwedel – Handwerk hat goldenen Bode, heißt es. Und doch ergreifen immer weniger junge Menschen den Beruf eines – beispielsweise – Tischlers.

Dass am Sonnabend junge Männer ihre Gesellenstücke präsentieren konnten, trügt nicht darüber hinweg, dass die Klasse nur noch sieben Azubis zählte. Noch eine Klasse wird im nächsten Jahr in Salzwedel verabschiedet, die Azubis im ersten Lehrjahr sind schon mangels Schülern nach Stendal gegangen. Lars Peters, der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, sieht die Enwicklung sehr kritisch.

Am Sonnabend überwog aber die Freude darüber, dass fast alle den Abschluss schafften – wer nicht, der kann einen Antrag stellen und noch einmal Anlauf nehmen. Die, die zu den besten gehörten, waren auch schnell als Gesprächspartner und von den Medien gesucht. Da war Jim Maximilian Brose, der 22-Jährige, der bei der Tischlerei Loth in Pretzier seine Ausbildung absolvierte. Seine Musiktruhe mit integriertem Plattenspieler und einem Verstärker, war einer der Hingucker in der BBS. Natürlich fehlte auch eine Ablagefläche für einen Computer als Abspielgerät nicht. Dass der junge Mann diese Truhe selbst nutzen wird, machte er deutlich. Fünf Wochen hatte er daran gebaut. Zunächst möchte er weiter als Geselle arbeiten – aber später will er Innenarchitektur studieren.

Mit einer Surfgarderobe überzeugte der 19-jährige Felix Neuling die Jury. Der junge Mann, der bei der Tischlerei Trüe in Miesterhorst lernte, hatte die Idee in zweieinhalb Wochen umgesetzt. Überraschend für die Besucher: Mit dem Surfboard kann Felix auch tatsächlich aufs Wasser. Wie schon Jim Maximilian Brose bekam auch Felix Neuling eine „gute Zwei“ für sein Werk. Felix möchte nicht immer Geselle bleiben, aber dem Handwerk treu, wie er sagte.

Lorenz Rohloff und sein „1er“-Telefonschrank.

Die einzige „1“ bekam Lorenz Rohloff aus Karstedt. Der 20-Jährige lernte im Betrieb seines Vaters und legte mit seinem Telefonschrank so richtig vor. Der junge Mann möchte dem Beruf treu bleiben, sagte er der AZ.

Zu den Gesellenstücken gehörte auch noch eine Haustür, ein Sideboard und ein Fernsehschrank. Wenn auch die unterschiedliche Bewertung maßgeblich für die Eintragung im Zeugnis war: Die jungen Männer, die ihre Arbeiten einer kleinen Öffentlichkeit präsentierten, sollen wissen, dass sie mit ihrem Engagement dazu beitragen, das Handwerk als eine Art Kunst zu präsentieren.

Zu den Bewertern gehörten am Sonnabend neben Lars Peters auch Klaus-Dieter Krüger und Matthias Loth. Sie machten auch den wenigen Jungs Mut, die im ersten Anlauf den Abschluss verpassten. VON HARRY GÜSSEFELD

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