35-Jähriger peinigte Pferde, Lamas, Ziegen / Gericht verhängt Bewährungsstrafe

Tierquäler bleibt auf freiem Fuß

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Ein Bild des Grauens: Auf dem vom Verurteilten betreuten Hof in Lüdelsen wurde Ende 2011 dieser Pferdekadaver gefunden. Kein Einzelfall, stellte sich gestern vor Gericht heraus.

bg Salzwedel. Wegen Tierquälerei in 21 Fällen musste sich gestern ein ehemaliger Mitarbeiter des Ahlumer Tierheims vor dem Salzwedeler Amtsgericht verantworten. Der 35-Jährige darf nun fünf Jahre lang keine Tiere mehr halten.

Wenn er sich drei Jahre lang bewährt, muss er nicht ins Gefängnis. Ansonsten warten zwölf Monate hinter Gittern auf den ehemaligen Hanumer.

Im Gericht

Als Mitarbeiter im Tierheim hatte der vermeintliche Tierschützer auch privat Tiere aus Missständen aufgenommen. Im Dezember 2011 mussten allerdings Tiere aus seiner Obhut befreit werden: Sie waren in einem miserablen Ernährungs- und Pflegezustand. Eine Zeugin berichtete gestern unter Tränen, dass sie ihr Pferd völlig abgemagert in einer Box liegend gefunden hatte. Das Pferd musste eingeschläfert werden. Für weitere Tiere kam jede Hilfe zu spät: Unter anderem waren verweste Ziegen und Schweine sowie ein skelettiertes Pferd gefunden worden.

Gegen die damalige Lebensgefährtin, die mit dem Angeklagten auf dem Hof lebte und von den Missständen gewusst haben muss, jedoch nicht eingeschritten war, wurde das Verfahren gegen Zahlung von 750 Euro eingestellt.

Der Angeklagte, der sich nach dem Vorfall vom Dezember 2011 in psychiatrischer Behandlung befand, zeigte sich in dem vierstündigen Prozess von Beginn an geständig und reumütig. Warum er die Tiere verkümmern ließ, könne er sich selbst nicht erklären, sagte er gestern vor Gericht aus.

Der ehemaliger Hanumer war schon einmal wegen einer ähnlichen Angelegenheit vorbestraft: Im Jahr 2001 hatte er Pelztiere verenden lassen.

Die Leiterin des Tierheims in Ahlum gestand gestern ein, nicht kontrolliert zu haben, ob die Tiere aus dem Heim bei dem Mitarbeiter gut untergebracht und versorgt wurden. Eine mögliche Überforderung des Angeklagten habe sie nicht bemerkt.

Aufgeflogen war die Tierquälerei, nachdem ein Ehepaar aus Lüdelsen nach halbjähriger Untersuchungshaft (wegen Hanfanbaus) auf seinen Vierseitenhof zurückgekehrt war. Den Hof samt der Tiere hatte das Paar dem Angeklagten anvertraut (AZ berichtete). Eines der verwahrlosten Pferde, ein hochdekorierter Zuchthengst, musste eingeschläfert werden. Im Stall fand sich ein Pferdekadaver, weitere Tiere waren verschwunden. Und nicht nur das: Das Ehepaar vermisste einen Großteil seines Inventars. Baustoffe, Möbelstücke, Schmuck, Kleidung und Unterlagen waren verschwunden.

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