Keine Scheu vor Arbeit und Pflicht

Theo Bickel hat dem Gut Büssen 46 Jahre die Treue gehalten

Mann
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Der 64-jährige Theo Bickel hat seit 1975 auf dem Büssener Gut gearbeitet. Während der Jahrzehnte hat er einige Besitzer- und Systemwechsel miterlebt.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Viele Menschen hatten es bestimmt einfacher im Leben als Theo Bickel aus Büssen. Der 64-Jährige aber ist immer ruhig geblieben und hat sich bis zu seiner Rente zum Monatsbeginn durchgebissen.

Büssen – In den Ruhestand gehen viele Menschen, und auch 64 ist kein besonderes Alter, werden nun manche sagen. Aber für Bernd Hartstock, auf dessen Gut Theo Bickel gearbeitet hat, ist sein langjähriger Mitarbeiter doch etwas Besonderes. Hat er doch sein ganzes Leben am selben Ort in Büssen gearbeitet und dabei so manchen radikalen Wechsel miterlebt.

Theo Bickel, der eingeschränkt ist, hatte nach eigener Aussage keinen guten Start ins Leben. Dies sagt er mit der ihm innewohnenden Ausgeglichenheit. Zehn Geschwister hat bzw. hatte er – sein Elternhaus galt zu DDR-Zeiten als recht unstet. „Wir waren so viele“, sagt der Büssener rückblickend über diese vergangene Zeit.

Ungern wird er sich an seine Jugend erinnern. Die erlebte er nämlich in verschiedenen Heimen. Das sei sicher kein Vergnügen gewesen, zollt ihm Bernd Hartstock Respekt. Von der schlimmsten Zeit spricht Theo Bickel selbst. Nie sei er von seinen Eltern besucht worden, nie habe es eine Karte gegeben, meint er. Der Kontakt zu seinen Geschwistern sei ebenfalls abgerissen. Vielleicht vermisst er dieses Kapitel auch gar nicht mehr.

Nach der Ausbildung zum Agrotechniker mit Fachrichtung Gartenbau kam Theo Bickel vor 46 Jahren nach Büssen, das damals ein sogenanntes Volkseigenes Gut war. Solange er die Arbeit ordentlich mache, komme er zurecht, wurde damals über ihn gesagt, und vermutlich hat er auch selbst so gedacht. Der 13. August 1975 war sein erster Tag, der 1. Juli 2021 sein letzter.

Mit der Wende erlebte der heute 64-Jährige neue Eigentümerverhältnisse; 2004 übernahm mit Bernd Hartstock wiederum ein neuer Arbeitgeber das Büssener Gut aus der Insolvenz. Zwei Angestellte blieben damals – einer von ihnen war Bickel.

Auf dem Gut war er zuletzt dafür verantwortlich, alles in Schuss zu halten. Der Einzige ohne Holzallergie, sagen die Kollegen scherzhaft. Was sie meinen: Theo Bickel hatte keine Scheu, eine Schippe, einen Besen oder eine Hacke in die Hand zu nehmen.

Nach der Arbeit habe er einigen Leuten in Büssen geholfen, ergänzt Bernd Hartstock. Theo Bickel sei das beste Beispiel für Inklusion ohne großes Aufsehen. Durch die Treue zum Betrieb habe er sich eine gewisse Fürsorge erarbeitet. Außerdem wird er weiterhin gebraucht. Nach 46 Jahren soll also noch nicht Schluss sein.

Theo Bickel hat mit dem SV Liesten eine Leidenschaft. Zum Spieler habe es früher zwar nicht gereicht; vom Training als Torhüter erzählt er aber trotzdem gerne. Seine Pflichten hat er immer ernstgenommen. Dafür wird er von seinen Mitmenschen hochgeschätzt.

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