Salzwedeler Jeetzeschule eng mit Dawydow-Gymnasium verbunden

Als die Tataren in der Altmark waren

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Mieste Hotopp-Riecke im Interview mit dem tatarischen Fernsehen.

Altmark / Tatarstan – Seit Jahren pflegt die Salzwedeler Jeetzeschule eine intensive Partnerschaft zum Dawydow-Gymnasium in Naberezhnyie Tschelny, einer Stadt in Tatarstan (Altmark-Zeitung berichtete).

Regelmäßige Besuche aus der mehr als 3000 Kilometer entfernten autonomen Republik in Russland gehören zum Programm.

„Sie sind nicht die ersten Gäste aus Tatarstan an der Jeetze: In der ganzen Altmark waren schon vor 205 Jahren tausende Tataren zu Gast – als Soldaten der russischen Armee, einquartiert bei der deutschen Bevölkerung, auch in Salzwedel“, berichtet Mieste Hotopp-Riecke.

Der promovierte Turkologe und Vorstandsvorsitzende des Instituts für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien (ICATAT) hat die Geschichte und das Land dieses Volkes erforscht und interessante Verbindungen in die Altmark entdeckt. „In vielen regionalen Geschichtsbüchern, Anekdoten und Erzählungen gibt es Berichte über die Tataren zur Napoleon-Zeit“, weiß Hotopp-Riecke zu berichten, der übrigens selbst aus der Westaltmark stammt. So wie die von Friedrich Meinecke, dem späteren Namensgeber des Institutes für Geschichte an der Freien Universität Berlin.

Der sei der Sohn eines Postdirektors aus Salzwedel gewesen. Im Hause seiner Eltern waren nach der Befreiung von der Napoleonischen Besatzung im Jahr 1814 Soldaten der russischen Armee einquartiert. In seinen Memoiren schreibt Friedrich Meinecke amüsiert über seines Vaters Kindheit und die berittenen Tataren und Kosaken, wie sie ihn auf einem Esel reiten ließen und ihre kleinen Pferde im Flüsschen Jeetze hinter dem Vaterhaus schwemmten.

Noch weiter zurück gehen die Sagen um den „Tartarenstein“ bei Taterberg im Drömling. Die vagen Berichte sind angelehnt an den Dorfnamen Taterberg und den Begriff Tatern (plattdeutsches Synonym für Fahrende Leute wie Sinti/Roma und Tataren). Unter drei Eichen soll bei Taterberg (ehemals Tartarenberg) bei Miesterhorst ein Tatarenkönig bzw. Zigeunerhäuptling begraben gewesen sein. „Auch die Tataren-Birken in der Letzlinger Heide, die Taterpfähle bei Zicherie und andere ‘Tataren‘-Orte haben nichts mit dem Turkvolk aus dem Osten zu tun, sondern mit Sinti und Roma“, erklärt der Turkologe.

Seit inzwischen 15 Jahren bestehe eine enge Verbindung zwischen dem ICATAT und der Akademie der Wissenschaften Tatarstans, weshalb das Archiv des ICATAT auch den Namen des Nationaldichters der Tataren trägt: Musa Dschalil-Archiv. Nahezu jedes Jahr finden deshalb auch tatarische Wissenschaftler ihren Weg in die Altmark zu Recherchen, Vorträgen, Workshops und Lesungen in Gardelegen, Stendal und Salzwedel.

VON CHRISTIAN WOHLT 

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