Chorleiter Hermann Horenburg (74) hört endgültig auf

Taktstock in der Schublade

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Der Musiker Hermann Horenburg am Klavier: Er hat in seiner Laufbahn nicht nur viele Chöre dirigiert, sondern auch zahlreiche Lieder arrangiert und komponiert.
  • VonArno Zähringer
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Die Musik hat sein Leben geprägt, und das seiner Frau Anke auch. Doch nun, nach mehr als 50-jähriger Tätigkeit als Chorleiter, legt Hermann Horenburg den Taktstock in die Schublade – und zwar endgültig.

Salzwedel - Denn die zahlreichen Proben, Konzerte, Tourneen und die vielen Fahrten im Zuge des Ehrenamts haben Spuren hinterlassen. Sein Körper zeigte ihm die gelbe Karte, aus der nach zwei Einweisungen auf die Intensivstation nach Weihnachtskonzerten mit den Zaunkönigen bereits leicht rote hätte werden können. Damit es nicht dazu kommt, hat Hermann Horenburg nun die Reißleine gezogen und gibt seine Dirigate bei den Zaunkönigen und dem Salzwedeler Frauenchor ab. Horenburg (74) fiel der Entschluss nicht leicht, aber „in meinem Alter sind diese Ehrenämter zu anstrengend und aufregend“, sagt er im Gespräch mit der Altmark-Zeitung.

Zahlreiche Konzertreisen

Viel hat Horenburg der Musik, vor allem jedoch seinem Einsatz zu vedanken. Beispielsweise Konzertreisen, die ihn in aller Herren Ländern führten, unter anderem nach Holland, Lettland, Frankreich, Spanien, Ecuador oder in die USA. Oder die Preise, die Horenburg mit seinen Chören bei sogenannten Leistungsvergleichen immer wieder gewinnen konnte.

Schon früh startete Horenburg ins Musikleben. Als Student leitete er in Berlin einen Männerchor. Doch das Engagement mit Kindern stand im Vordergrund, denn „schließlich war ich Lehrer“. Für Musik und Geschichte in Salzwedel am Käthe-Kollwitz-, später am Jahngymnasium. Seit seinem Studium hat er etwa zehn Chöre (unter anderem den Kuhfelder Männerchor und die Salzwedeler Harmonie) geleitet und 1985 mit seiner Frau Anke den Salzwedeler Kinder- und Jugendchor gegründet. Daraus entwickelten sich schon ein Jahr später die Zaunkönige, ein Chor, der weit über die Region hinaus einen guten Namen hat – mit auch das Verdienst Hermann Horenburgs, der im September seinen 75. Geburtstag feiern kann.

Dann, 1996, gab es einen Bruch: In der Schule hatte er als Lehrer so viele Aufgaben bekommen, dass es für ihn nicht mehr möglich war, ehrenamtlich Chöre zu dirigieren. Das ärgert ihn noch heute. Mehr als zehn Jahre dauerte es schließlich, bis sich 2007 Horenburg und seine Frau Anke wieder bei den Zaunkönigen engagieren konnten.

Auch über die Grenzen der Hansestadt hinaus hat der Salzwedeler das Chorwesen in der Altmark entscheidend mitgeprägt. Beispielsweise durch sein Engagement als Kreischorleiter des Sängerkreises Heide-Drömling. Dafür wurde er 2017 mit der goldenen Ehrennadel und einer Ehrenurkunde des Landes- chorverbandes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.

Eintrag ins Goldene Buch

Im Januar 2018 wurde ihm schließlich die Ehre zuteil, sich ins Goldene Buch der Hansestadt Salzwedel einzutragen. Er entschied sich für den Text: „Zum Singen wird man nicht erkoren, das ist dem Menschen angeboren. Doch Geselligkeit und frohe Stunden sind mit dem Chorgesang verbunden.“

Und wie geht es künftig weiter? Hermann Horenburg möchte mehr Zeit fürs Wandern, Reisen und seine Frau Anke haben. Die Verbindung zur Musik bleibt über die beiden Töchter Julia und Anne erhalten. Beide sind Berufsmusikerinnen, Geigerin und Chordirigentin. „Da werden wir sicher das eine oder andere Konzert besuchen“, sind sich die Horenburgs einig. Zudem arbeitet er noch sechs Stunden in der Woche an der Jeetzeschule. Dort unterrichtet er Musik im Abiturbereich.

Zur Verabschiedung ist vor den Sommerferien noch ein Konzert der Zaunkönige geplant. Was er sich dafür wünsche? „Schön wäre es, wenn es in der Mönchskirche stattfinden könnte“, sagt Horenburg, der aber auch an die Kostenseite denkt.

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