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Täglich brummen 134 Laster vorbei

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Sven Krause sprach aus, was die Anlieger befürchten: „Die Lkw-Fahrer warten nicht an der B 71-Abfahrt. Sie suchen sich ihren eigenen Weg und dann haben wir sie im Perver.“ © Foto: Benecke

Salzwedel - Von Holger Benecke . Der Bebauungsplan Nr. 39-10 „Gewerbegebiet Magdeburger Straße“ erhitzte gestern die Gemüter. Dipl.-Ing. Henrik Böhme aus Küsten hat ein 9,26 Hektar großes Gebiet des ehemaligen Salzwedeler Chemiewerks als solches geplant. Hintergrund ist ein Investor, nämlich Henrik Borgmeyer, Geschäftsführer der Bioconstruct GmbH, der dort eine 2,3-Megawatt-Biogasanlage errichten will.

Die Stadt will mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Vor allem aber um die Industriebrache, die auch über 20 Jahre nach der Wende noch mit Arsen belastet ist, zu sanieren. Und da ein Investor Gewehr bei Fuß steht, gibt es auch das Geld für das Vorhaben. Zugleich entsteht ein Gewerbegebiet. Dieses in einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung den Anwohnern vorzustellen, war das eigentliche Ziel der gestrigen Veranstaltung. Ob mit oder ohne Biogasanlage. Denn auf diese hat die Stadt keinen Einfluss. Ihr Bau wird vom Landesverwaltungsamt in Halle genehmigt.

Nichtsdestotrotz interessierte die Anlieger die Biogasanlage mehr als das Gewerbegebiet. Denn sie befürchten eine immense Belästigung durch den Fahrzeugverkehr. Denn der ballt sich in den zwei Wochen nach der Maisernte. 10 500 Fahrten im Jahr rechnete der Planer vor. Davon sind 7 500 Lkw-Fahrten. In den zwei Wochen würden täglich 134 Laster zur Anlage fahren, Das sind pro Stunde fünf – zwischen 22 und 6 Uhr darf dort kein Lkw rollen – und somit alle zwölf Minuten ein Laster.

Diese Rechnung war den Anliegern zu theoretisch. Sie befürchten, dass sich an der B 71-Abfahrt von der Magdeburger Straße in Richtung Betonwerk – denn das soll die Zufahrt zum Gewerbegebiet, sprich zur Biogasanlage werden – die Lkw auf Grund der dort herrschenden, strammen Verkehrslage stauen. Die Maistransporteure würden sich bequemere und reibungslosere Zufahrten suchen, zum Beispiel über die Bergstraße oder vom Perver aus, befürchtet Anlieger Sven Krause.

Planer Böhme wusste nach einem Treffen mit dem B 71-Baulastträger, dem Landesbetrieb Bau (LBB), dass vorerst nur die Einmündung großzügig abgerundet werden soll. Doch der LBB plane dort unter Einbeziehung der Winkelmannstraße langfristig einen Kreisel, so Böhme weiter.

Die meisten der Anlieger würden die Biogasanlage lieber auf dem Fuchsberg sehen. Nichtsdestotrotz forderten sie immer wieder, endlich die Altlast Chemiewerk zu sanieren. Und nicht nur die derzeit be-planten 9,26 Hektar, sondern das gesamte Areal. Doch das ist die Zwickmühle, die Bauamtsleiter Ralf Burmeister und Annerose Lahmann von der Stadtplanung versuchten zu erklären: Ohne eine Gewerbeansiedlung dort gibt es keinen müden Euro für eine Sanierung.

Und der etwa 1,5 Meter hohe Bodenabtrag, der an etlichen Stellen des künftigen Gewerbegebietes nötig wäre, könnte noch in den nahen Auflandeteichen untergebracht werden. Und zwar in Beton gebunden und somit ausschwemmsicher. Dort lagert bereits ein Teil der arsenhaltigen Böden, die in den vergangenen Jahren im Chemiewerk abgetragen wurden. Zurzeit werden auf der Industriebrache für eine weitere, wenn auch nur kleine Flächensanierung bereits Bäume abgeholzt.

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