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Salzwedel: Sturmangriff nach dem Sturm

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Von: Holger Benecke

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Hubschrauber
Gestern Vormittag bei Brietz: Insgesamt waren wieder vier Helikopter am Grünen Band im Auftrag der „Landesverteidigung“ unterwegs. © Privat

„Mein Hund darf hier nicht unangeleint über die Wiese laufen, aber die Bundeswehr darf mit ihren Hubschraubern die Gelege der Bodenbrüter wenden,“ schimpft Andreas Speck. Der Salzwedeler war gestern Vormittag mit seinem Hund bei Brietz unterwegs, als die Heeresflieger in Bierflaschenhöhe heranbrummten – Kurs Grünes Band.

Salzwedel - Zwei Paare, also vier Helikopter, haben auch die Naturschützer und Landwirte registriert, die gestern erneut Kriegsspiele am Grünen Band veranstalteten. Inzwischen sind sie stinksauer auf die Bundeswehr, die außerhalb ihrer Truppenübungsplätze und noch dazu in Schutzgebieten „Landesverteidigung“ übt. Was es dort – außer den Tieren – zu verteidigen gibt, bleibt unklar.

Nach jahrelangen Protesten, die zuletzt in einer Note der Koordinierungsstelle Grünes Band an die Bundeswehr gerichtet war (wir berichteten) mündete, schert sich die Division Schnelle Kräfte im fernen Stadtallendorf in Hessen offenbar einen Dreck um die Aktivitäten der ihr unterstellten Faßberger Heeresflieger. Gespräche mit Landwirten und Naturschützern gibt es nicht. Das erinnert Ältere daran, wie sich seinerzeit die sowjetischen Besatzungstruppen in der DDR benommen haben.

Ein als Presseerklärung der Bundeswehr vom 23. November vergangenen Jahres deklariertes Schreiben mit schönen Bildern übender Soldaten, begründete zwar die Notwendigkeit, die Landesverteidigung gerade dort zu üben, nannte jedoch keine zwingenden Gründe dafür. Die sogenannte Pressemitteilung ging an welche Presse auch immer. Der AZ gelang es, sich das Schreiben zu besorgen, bekam aber offiziell nichts.

Ebenso Anrufe verschiedener Offiziere aus verschiedenen Stäben bei der AZ im Laufe der vergangenen Jahre, waren nie als offiziell angelegt. Man wollte nur „mal vorfühlen“. Dabei blieb es dann auch. Und mit Corona herrschte dann Funkstille.

Eine Art des Umgangs miteinander, die die Altmärker ärgert. Ihre Bedenken scheinen bei den tapferen Landesverteidigern im eigenen Land offenbar keine Rolle zu spielen. Stattdessen wird augenscheinlich Krieg gespielt für landesverteidigende Auslandseinsätze.

Dabei geht es um den Tier- und Naturschutz. „Vögel werden durch die Tiefflüge massiv gestört. Gleiches gilt für Rinderherden, die am Grünen Band weiden und durch die Tiefflüge in helle Aufregung versetzt werden“, untermauert Dieter Leupold, stellvertretender BUND-Landesvorsitzender und Koordinator Grünes Band Sachsen-Anhalt.

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