Auf der Suche nach der Autorin einer Arbeit über die Jeetze

Ein Stück Kindheit kommt zurück

Das Lächeln geht Ute Kirsten (r.) beim Durchblättern ihrer Arbeit nicht aus dem Gesicht. Nach knapp 50 Jahren warf sie gemeinsam mit Schulfreundin Johanna Looff und Finder Erhard Köpsel einen Blick in ihre Facharbeit über die Jeetze. Fotos: Friedrichs
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Das Lächeln geht Ute Kirsten (r.) beim Durchblättern ihrer Arbeit nicht aus dem Gesicht. Nach knapp 50 Jahren warf sie gemeinsam mit Schulfreundin Johanna Looff und Finder Erhard Köpsel einen Blick in ihre Facharbeit über die Jeetze.
  • VonMelanie Friedrichs
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Salzwedel / Fleetmark. Dass ihre Urlaubskarte aus Hitzacker irgendwann noch einmal von Bedeutung sein würde, damit hatte Johanna Looff nicht gerechnet. Doch sie war tatsächlich der Auslöser, dass sie ihrer Schulfreundin Ute Kirsten ein Stück ihrer Kindheit zurückgeben konnte.

Denn Ute Kirsten ist die Autorin einer Facharbeit über die Jeetze – und wurde seit einem halben Jahr gesucht.

Rückblick: Der Fleetmarker Erhard Köpsel fand vor vielen Jahren in der ehemaligen Heineschule eine Schülerarbeit über die Jeetze. Sie sollte vernichtet werden, doch weil in akribischer Kleinstarbeit und mit viel Mühe über den Fluss berichtet wurde, brachte es der Fleetmarker nicht übers Herz und nahm sie mit. Die Dokumentation geriet in Vergessenheit, doch im Juni machte sich Erhard Köpsel auf die Suche nach der Autorin. Denn der schlichte schwarze Hefter faszinierte ihn und war sogar ausschlaggebend, selbst einmal die Jeetze von der Quelle bis ins Wendland zu untersuchen.

Eine Postkarte von der Schulfreundin brachte des Rätsels Lösung.

Bei seiner Suche hatte er zunächst wenig Erfolg, bis er dann auf die besagte Urlaubskarte stieß. Adressiert war sie an Ute Kirsten. „Ich hab im Internet angefangen nach dem Namen zu suchen. Ich hatte gehofft, dass mir diese Frau vielleicht weiterhelfen kann“, erklärt er. Zwar fand er keine Telefonnummer, aber ein Profil in einem Netzwerk für alte Schulfreunde. „Ich habe ihr sofort eine E-Mail geschrieben“, so Köpsel und hatte mehr als Glück: Ute Kirsten kann nämlich nicht nur weiterhelfen, sie ist die Autorin höchstpersönlich.

Für Erhard Köpsel stand fest, dass sie ihr Werk schnellstmöglich zurückerhalten sollte. Vor Kurzem war es nun soweit, und Ute Kirsten, die mittlerweile im niedersächsischen Süschendorf wohnt, reiste gemeinsam mit ihrer langjährigen Schulfreundin Johanna Looff nach Fleetmark. Als sie dann ihr knapp 50 Jahre altes Werk in den Händen hielt, strahlte sie über das ganze Gesicht. „Das ist ja fantastisch“, fasste sie ihre Gefühle zusammen. Über ein Jahr hatte die damals 17-Jährige für die Arbeit mit Infotexten, Fotos und vielen Zeichnungen sowie Ansichtskarten benötigt.

„Mein Vater war Tierarzt und hat mir viel geholfen. Wir sind den Flussverlauf akribisch abgefahren und -gegangen“, so die heute 66-Jährige über den umfassenden Inhalt. „Was ich mache, das mache ich eben sehr gründlich“, unterstrich sie schmunzelnd.

Damals besuchte Ute Kirsten die elfte Klasse des Jahn-Gymnasiums in Salzwedel und meldete sich freiwillig für die Jahresarbeit. „Wir haben in der Jeetze immer gebadet, und es hat mich interessiert“, begründete die rüstige Seniorin. Heute sei sowas kaum noch denkbar. Ihre Arbeit, für die sie übrigens eine Eins bekam, ging irgendwann im Laufe der Zeit verloren. Wie sich das Buch dann in der Heine-Schule wiederanfand, ist ihr schleierhaft.

Nun wird sie den alten Hefter so schnell nicht mehr hergeben. Falls sie ihn doch noch einmal verleihen will, hat Erhard Köpsel vorsichtshalber noch eine Kopie angefertigt.

Von Melanie Friedrichs

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