Katastrophe: „Kein Jungstorch hat überlebt“

Die ersten Störche sind in die Altmark zurückgekehrt – es gibt keine guten Nachrichten

Ein Storchenpaar sitzt auf einem Hausdach in seinem Nest.
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Ein Horst in Tylsen: Da im letzten Jahr in der westlichen Altmarkt kein einziges Jungtier überlebte, kehrten entsprechend weniger Rückkehrer aus dem sonnigen Süden in ihre Heimat zurück. „Eine Katastrophe“, bringt es Storchenbeobachter Thomas Koberstein auf den Punkt.
  • vonStephan Ernst
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Die ersten Störche sind bereits aus dem Süden in die Altmark zurück gekehrt. Doch es gibt keine guten Nachrichten von den beliebten Adebaren.

Salzwedel/Tylsen – Für seinen Betreuungsbereich rings um Salzwedel gingen bei Thomas Koberstein bereits die ersten Sichtmeldungen ein: Ein unberingtes Männchen landete am 21. Februar in Siedenlangenbeck, wo es auch über einen Monitor zu beobachten ist. In Vissum kam der erste Storch am 24. Februar an und in Kraatz wurde der erste Adebar am 6. März gemeldet.

Im vergangenen Jahr lief jedoch nicht alles glatt, denn es gab Probleme in der Dumme-Niederung mit einem Totalausfall bei jungen Störchen. Die Bilanz der Reproduktionsraten bei den Adebaren westlich von Salzwedel fiel 2020 erschütternd aus. „In der gesamten Niederung von der Hansestadt Salzwedel über Böddenstedt, Gerstedt, Tylsen, Henningen bis nach Dähre hat kein einziges Storchenjunges überlebt.

Die Jungstörche, die geschlüpft waren, starben binnen weniger Wochen unter mysteriösen Umständen, die wir bislang im Detail noch nicht klären konnten“, so Koberstein.

Dass die Storchenreproduktion einer gesamten Region ausfällt, hat der Betreuer so noch nicht erlebt. „Null Jungstörche – das passt absolut nicht ins Bild. Wir hoffen daher auf die kommende Saison“, sagte der Naturschützer der AZ. An der Wasserqualität der Dumme könne es nicht liegen, hieß es. Proben wurden hier entnommen. Auch die Trockenheit im Sommer schließt Koberstein als mögliche Ursache aus. „Ich will auf keinen Fall spekulieren. Wir brauchen daher noch weitere Fakten“, meinte der Salzwedeler.

Vor allem die Nester in Tylsen oder in Dähre waren bis auf wenige Ausnahmen stets eine sichere Bank in den Vorjahren. Thomas Koberstein ließ aber anklingen, dass es für Störche gefährliche Pilzkrankheiten gebe. Die Aspergillose etwa ist ein solcher Schimmelpilzbefall in der Lunge.

Dabei wächst der Pilz im Lungengewebe und kann sich in der Folge im ganzen Körper ausbreiten. Diese mikroskopisch kleinen Erreger kommen in der Natur fast überall vor und stellen somit eine der häufigsten Pilzerkrankungen dar. Die Aufnahme der Pilze in den Organismus erfolgt durch Einatmen der Pilzsporen und besiedelt anschließend die Atemwege und Atemorgane. Weitere Storchenkrankheiten sind Fremdkörper im Magen-Darmtrakt, Parasiten, Schnabelbruch und Wachstums-Anomalien. (Kai Zuber)

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