NS-Verbrechen machten vor der Altmark nicht Halt: Gedenken an der Ritzer Brücke und am ehemaligen KZ-Außenlager

Stilles Innehalten: Die Opfer geehrt

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Ehrten die Toten (v.l.): Kämmerer Olaf Meining, Verdi-Vertreter Hans-Peter Marschollek, Bürgermeisterin Sabine Blümel, Stadtratschef Gerd Schönfeld und Stadträtin Ute Brunsch.

hob Salzwedel. Gestern versammelten sich zahlreiche Altmärker an zwei Gedenkorte in Salzwedel, die als grausame Spuren aus der nationalsozialistischen Geschichte der Stadt in deren Analen eingegangen sind

Ein Mahnmal an der Ritzer Brücke erinnert an 244 in den letzten Kriegstagen verscharrte KZ-Häftlinge und ein Gedenkstein an der Gardelegener Straße an das ehemalige KZ-Außenlager von Neuengamme (bei Hamburg).

Der bundesweit, gesetzlich verankerte Gedenktag erinnert an den 27. Januar 1945. An diesem Tag befreite die Rote Armee das KZ Auschwitz. Den Anstoß für diesen Gedenktag hatten die Linken im Bundestag bereits 1995 gegeben. Ein Jahr später führte Bundespräsident Roman Herzog diesen Gedenktag offiziell ein. Herzog ist erst vor wenigen Tagen, am 10. Januar, verstorben. Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Januar im Jahr 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Vor 72 Jahren wurden in Salzwedel nach dem Einmarsch der US-Truppen am 14. April 1945 das KZ-Außenlager mit rund 3000 meist jüdischen Frauen befreit. Sie haben den Holocaust überlebt. Im Gegensatz zu den KZ-Häftlingen, die in Todesmärschen durch die Altmark getrieben wurden. Am 13. April 1945 wurden 1016 von ihnen in der Feldscheune von Isenschnibbe bei Gardelegen von den Wachmannschaften bei lebendigem Leib verbrannt. Wer dem Feuer entkommen wollte, wurde erschossen. Der Letzte der ganz wenigen Überlebenden dieses Massakers ist erst kürzlich verstorben.

In Salzwedel wurden vor dem Einmarsch der Amerikaner, am 9. April 1945, an der Ritzer Brücke 244 Häftlinge verscharrt. Sie gehörten zu insgesamt 1500 KZ-Insassen, die in Viehwaggons von Bergen-Belsen nach Sachsenhausen transportiert werden sollten und waren unterwegs verhungert.

Zum Denkmal an der Gardelegener Straße sagte gestern Pfarrer Friedrich von Biela: „Es ist gut, dass wir in der Stadt einen solchen Ort haben – um uns immer wieder daran zu erinnern.“

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