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Stellvertretende Schulleiterin geht im Sommer in den Ruhestand: Bisher noch kein neuer Schulleiter 

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Von: Lydia Zahn

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Bildungsstaatssekretär Frank Diesener (2.v.l.) und die Arbeitsgruppe Bildung der CDU Sachsen-Anhalt um den Bildungspolitischen Sprecher Carsten Borchert (Mitte) waren in der Salzwedeler Berufsschule zu Gast, um über Probleme, wie das Fehlen eines Schulleiters, zu sprechen. © Zahn, Lydia

Der Bildungsstaatssekretär des Landes Sachsen-Anhalt, Frank Diesener, Mitglieder der Arbeitsgruppe Bildung der CDU Sachsen-Anhalt und Landrat Michael Ziche waren in den Berufsbildenden Schulen des Altmarkkreises Salzwedel zu Besuch. Die kritische Lage um die Schulleitung sowie der allgemeine Lehrermangel wurden in der Runde heiß diskutiert.

Salzwedel – Die stellvertretende Schulleiterin, Annerose Rohde, kam nach einer kurzen Vorstellung der Berufsschule direkt zur Sache: das Fehlen eines Schulleiters. Denn seit 2018 ist diese Stelle unbesetzt. Außerdem erinnerte Rohde daran, dass sie ihren letzten Arbeitstag am 31. Juli dieses Jahres habe und danach in den Ruhestand gehe. Bis dahin müsse Ersatz gefunden worden sein. Vorzugsweise etwas früher.

Zweifel an rechtzeitiger Nachfolgersuche

„Wir haben das im Ministerium im Blick und werden das im Auge behalten“, erklärte Bildungsstaatssekretär Diesener. Und fuhr fort: „Wir befinden uns in der Phase des Besetzungsverfahrens.“ Er versicherte, wenn alles optimal laufe, sei bis dahin jemand Neues gefunden worden. Die stellvertretende Schulleiterstelle befinde sich in der Entscheidungsphase, so Diesener. „Ich bin doch auch ein bisschen am Zweifeln. Es erscheint mir ein wenig waghalsig zu sagen, in fünf Monaten haben wir jemanden“, entgegnete Rohde.

Landrat Ziche hob hervor, dass das ganze Verfahren zu spät in Gang gebracht worden sei. „Man agiert nicht mit genügend Nachdruck. Wir sind hier seit vier Jahren ohne Schulleitung“, führte Ziche an. Es sei absehbar gewesen, dass der ehemalige Schulleiter Peter Lahmann in Rente geht, weshalb laut Ziche damals schon hätte gehandelt werden müssen.

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Annerose Rohde geht im August dieses Jahres in den Ruhestand. © Zahn, Lydia

„Wir müssen da jetzt mal Tacheles reden. Es geht so nicht weiter“, betonte auch der Vorsitzende der Arbeitsgruppe und Bildungspolitischer Sprecher, Carsten Borchert. „Wir werden da jetzt Druck machen, damit endlich ein Ergebnis kommt. Und verdammt noch mal, das sind wir den Lehrerinnen und Lehrern schuldig“, brachte Borchert es auf den Punkt.

Fehlendes Führungspersonal

„Irgendwo sind wir am Ende unserer Kräfte“, unterstrich Annerose Rohde. Denn eigentlich sollte die Schulleitung aus einem Team von fünf Personen bestehen. Zurzeit sind es drei – die stellvertretende Schulleiterin und zwei Koordinatorinnen. „Wenn kein Neuer kommt, wären zwei von fünf alleine mit den Aufgaben. Und das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es muss etwas passieren“, fasste sie zusammen. Und hob noch einmal hervor, dass es zu einer nahtlosen Besetzung kommen sollte. Schließlich müsse der neue Schulleiter noch eingearbeitet werden.

„Wir sehen, dass die Kraft auf allen Ebenen schwindet“, fügte Jacqueline Jelinski, Personalratsvorsitzende, hinzu. Und durch fehlendes Führungspersonal seien in den vergangenen Jahren außerdem die Weiterentwicklung der Schule sowie die Umstrukturierung zu kurz gekommen. „Die Botschaft ist angekommen“, entgegnete Frank Diesener.

Das Thema Lehrermangel kam ebenfalls zur Sprache. 1017 Schüler in 64 Klassen werden von 57 Lehrkräften, davon sind zwei Vertretungslehrer, unterrichtet. Das macht eine 92,5-prozentige Unterrichtsversorgung. Jelinski erklärte, dass Projekte wie der Gardelehrer – dabei gibt es ein kommunales Stipendium, und die Studenten werden zum Beispiel bei der Wohnungssuche unterstützt – helfen könnten.

Meister als Berufsschullehrer

Thomas Keindorf, Mitglied der Arbeitsgruppe und Sprecher für berufliche Bildung, regte außerdem an, dass gelernte Meister die Möglichkeit bekommen sollten, durch eine weitere Ausbildung / Fortbildung als Berufsschullehrer arbeiten zu dürfen und nicht nur als Praxislehrer. Dem pflichtete Rohde bei: „Wir kriegen eher mal einen Meister als einen Theorielehrer.“

Ein weiteres Problem stelle die Vergütung der Praxislehrer dar. „Warum ist es nicht möglich, diese Kollegen finanziell höher zu stellen?“, fragte Rohde nach. „Weniger Geld für mehr Arbeit“, stellte Sheila Schulz-Ulbrich, Bildungsgang-Teamleiterin für Sozialpädagogik und -assistenz fest. Und sie betonte, dass der Verdienstunterschied der Praxis- und Theorielehrer im vierstelligen Bereich liege.

„Hier muss etwas passieren, und hier muss schnell etwas passieren“, unterstrich auch die stellvertretende Schulleiterin Annerose Rohde noch einmal. Denn: „Wir wollen diese Lehrkräfte halten. Es geht aber auch um den sozialen Frieden unter den Kollegen.“

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