Comedian Ingmar Stadelmann besucht Ex-Schule und plaudert aus dem Leben

Ein Star aus Salzwedel

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Für einen Tag zurück an der alten Wirkungsstätte. Ingmar Stadelmann hat 1999 im Jahn-Gymnasium (allerdings in der ehemaligen Außenstelle an der Lindenallee) sein Abitur abgelegt. Notenschnitt: 2,5.

Salzwedel. Dienstagmittag, 12 Uhr, Jahn-Gymnasium, Salzwedel: Mit Schlabberhose, Basecap und Hund betritt der prominente Gast des Tages den Unterrichtsraum. Das eigentliche Thema des Unterrichts, Mathematik, ist schnell vergessen.

Denn Comedian Ingmar Stadelmann hat die Klasse schnell in seinen Bann gezogen. Die meisten Jugendlichen kennen ihn und seine Arbeit als Radiomoderator, Kabarettist und Fernsehstar. 18 Jahre nach seinem Abitur im Jahn-Gymnasium ist der gebürtige Salzwedeler und Wahl-Berliner mal wieder in seiner alten Schule, auch wenn sich diese in dieser Zeit deutlich verändert hat.

Für die Schüler war es am Dienstag eine besondere Schulstunde: Ingmar Stadelmann (l.) erzählte ihnen aus seinem Werdegang und ließ immer wieder sein Talent für Komik aufblitzen. 

„Wie wird man Comedian?“, wollen die Jugendlichen logischerweise zuallererst wissen. Und der 36-Jährige gibt ihnen die passende Antwort: „Man muss es ausprobieren und den nötigen Größenwahn haben. Dann stellt man fest, ob es funktioniert und als Lebensaufgabe reicht.“ Aber dennoch: „Ich wusste es früh. Dass ich Leute unterhalten kann“, fügt er an.

Der Weg ins Fernsehen und auf die größeren Bühnen war für Ingmar Stadelmann kein leichter. Das sagt er den Schülern geradeheraus. So wie er es einst erfuhr – von Experten in Berlin, die ihm zwar minimale Schauspielqualifikation bescheinigten, aber sein Unterhaltungspotenzial sahen.

Während er schon zu Schulzeiten seinem großen Idol Harald Schmidt mit einer eigenen Show beim damals frisch gegründeten Offenen Kanal Salzwedel nacheiferte, fand er erst in der Bundeshauptstadt das richtige Umfeld. „In Berlin gibt es viele Offene Bühnen. Das ist lehrreich“, blickt Ingmar Stadelmann zurück.

Nach dem Abitur, der in 20 Minuten beendeten Schauspielkarriere und fünf Semestern an einer Universität ging er zum Radio. Machte vier Jahre lang eine Morgensendung, obwohl er sich heutzutage fragt, wie er das als Nachteule mit dem Aufstehen hinbekommen hat. Von einem Wecker wolle er sich jedenfalls möglichst nicht mehr aus dem Schlaf reißen lassen.

Die Jahn-Schüler hören ihm aufmerksam zu, kichern und sind Teil einer Talentdemonstration, ohne es zu merken. Denn Ingmar Stadelmann wechselt immer wieder zwischen Komik und Ernst. Er stellt Fragen und dreht die Antworten der Jugendlichen so herum, dass alle lachen.

Lehrer Uwe Hundt überreichte dem Comedian eine seiner alten Mathearbeiten aus dem Jahr 1996. Damals gab es eine Drei.

Sie staunen, wie lange der Comedian für seine Karriere benötigte. Noch beim Radio hatte er das Gefühl, es noch mal mit der Bühne zu versuchen. Fünf oder sechs Jahre hatte er jede Woche einen Auftritt. Und dabei oft das Gefühl, „auf die Fresse zu bekommen“. Die populäre Sendung „Quatsch Comedy Club“ brachte ihn weiter; dort wurde er später regelmäßig gebucht. Nach drei weiteren Jahren hatte er seine eigene Tour.

„Mario Barth verdient mit einer Show mehr, als ich im ganzen Jahr“, gibt Ingmar Stadelmann offen zu. Aber das Stadion sei weder sein Ding noch sein Ziel. „Dort kannst du nicht mehr mit den Leuten arbeiten“, meint er. Für ihn sei Comedy Kleinkunst, alles darüber Entertainment.

Leben kann er davon trotzdem. „Wie siehst du das finanziert?“, habe früher eine häufig gestellte Frage seines Vaters gelautet. „Ich bin aber schnell von der Gehaltsliste gegangen“, erzählt Ingmar Stadelmann den Schülern. Dass man mit Unterhaltung Geld verdienen kann, habe er früh gemerkt.

Für seine Spende erhielt der Wahl-Berliner ein Jahn-Shirt.

Die Gymnasiasten erfahren auch etwas über seine Art, Comedy zu machen. „Ich erzähle keine Witze, lieber echte Geschehnisse“, offenbart der 36-Jährige. In seiner Show wolle er, dass etwas in den Köpfen seiner Zuschauer passiert, sie mit etwas konfrontieren, womit sie nicht rechnen. „So ein Auftritt ist trotzdem viel weniger spontan, als es wirkt. Die Aufgabe eines Comedians ist es, so zu tun, als würde die Show nur an diesem Abend so funktionieren“, verrät Ingmar Stadelmann. Er kenne den Anfang und das Ziel. Dazwischen sei er frei. „Egal was passiert, du kannst es jederzeit so verkaufen, als ob es zur Show gehört“, plaudert er aus.

Am Ende des Besuchs geht es noch nach draußen. Andere Prominente sehen ihren Namen auf Straßenschildern oder Plätzen; Ingmar Stadelmann an einer von ihm gesponserten Tischtennisplatte. Passt auch irgendwie.

Von Jens Heymann

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