Stadtrat lässt nicht locker

„Für mein Salzwedel“

Mann mit Bart und Brille
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Stadtrat Marco Heide engagiert sich für sein Salzwedel. Trotz eines manchmal harschen Gegenwindes lässt der junge Kommunalpolitiker nicht nach.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Vor den Wahlen zum Stadtrat tönten alle Parteien und Fraktionen von „Verjüngung“. Junge Leute sollten ins Stadtparlament, um die dort zum Teil schon seit über 30 Jahren Sitzenden ein wenig in Schwung zu bringen. Einer der jungen Abgeordneten, die ihre Stadtratsarbeit sehr ernst nehmen, ist Marco Heide (Linke).

Salzwedel - Das Problem: Die alte Garde im Stadtrat kann oder will den 32-Jährigen, der seit 2019 unter ihnen agiert, sehr oft nicht als ihresgleichen behandeln. Nur: Die wenigsten derer, die in Oberlehrermanier gegen Anträge, die Heide stellt, wettern, bringen selbst welche ein. Die Devise scheint von vornherein zu sein: dagegen statt dafür.

Dem Waldbad eine feste Stelle beschafft

An zahlreichen Anträgen, die die Linken in den Stadtrat eingebracht haben, hat Heide mitgewirkt, bei vielen auch federführend. So hatte er sich bereits in der Diskussion zum Haushalt 2020 im Jahr 2019 für das Waldbad Liesten stark gemacht. Die Stadt sollte 560 000 Euro aufbringen, die sich aus Förder- und Eigenmitteln des Waldbadvereins rekrutieren sollten. Der Antrag wurde zwar angenommen, aber die Verwaltung hat nach eigener Aussage keine Fördermittel gefunden. Doch Heide setzte nach, stellte im Folgejahr einen erneuten Antrag. Mit dem Vorschlag, 250 000 Euro Eigenmittel dafür aufzubringen. Und er wusste auch, wo die herkommen sollten – nämlich aus der Gewinnausschüttung der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Salzwedel. Zur Erinnerung: Die Stadttochter alimentiert die Mutter jedes Jahr durchschnittlich mit einer Viertelmillion Euro. Zwar ist im Waldbad Liesten noch nichts passiert, dank Heide hat die Sanierung aber eine feste Kostenstelle im Haushalt bekommen.

Auch der Böllerwahnsinn zu Silvester in der Fachwerk-Innenstadt war dem Kommunalpolitiker ein Dorn im Auge. Sein Antrag fiel auf fruchtbaren Boden. Diesmal zogen die anderen Stadträte mit.

Fachkräfte-Stipendium war zu teuer

Nicht so bei seinem jüngsten Versuch, den er zusammen mit Cathleen Hoffmann (Bündnis 90 / Die Grünen) gestellt hatte. Eine Förderstelle sollte bei der Stadtverwaltung geschaffen werden. Der Mitarbeiter dort sollte den Vereinen der Stadt dabei helfen, Fördertöpfe zu finden und Geld einzuwerben. Abgelehnt. Zuvor gab es von den Kollegen noch belehrende Worte von oben herab.

Keine Mehrheit fand auch ein fraktionsübergreifender Antrag (Freie Fraktion, Bündnisgrüne und Linke), den Stadtrat Marco Heide ins Spiel gebracht hatte. Es ging um ein kommunales Fachkräfte-Stipendium, das die Stadt ausschreibt. Es sollte sich beispielsweise an medizinische, soziale und Bildungsberufe richten, jedoch auch offen für andere Fachkräfte sein, die die Stadt Salzwedel dringend benötigt.

Übrigens: Beim Altmarkkreis und in der Stadt Gardelegen läuft das bereits. Den Salzwedeler Stadträten war das zu teuer.

Von den neun Anträgen seit 2019, die Stadtrat Heides Handschrift tragen, konnten sich vier durchsetzen. Neben dem Waldbad Liesten und dem Böllerverbot sind das die Park-App, die nun eingeführt werden soll, und der Hinweis an die Verwaltung, Sponsoringverträge für öffentliche Einrichtungen zu akquirieren – ähnlich wie der Verkauf von Namensrechten für Stadien in der Bundesliga.

Mehr gestalterischer Wille erhofft

Nicht durchsetzen konnten sich neben der Förderstelle ein Nach-Corona-Salzwedel-Fest und eine Baumesse im Kulturhaus. Das sollte die Stadt für ihre Bewohner organisieren. Der Stadtrat wollte das nicht. Nun macht es ein Verein, einer von denen, für die der Stadtrat keine Förderstelle einrichten will. Auch Heides Idee eines Schulgartenprojektes auf brachliegenden städtischen Parzellen fand nicht die Unterstützung durch den Stadtrat.

„Trotzdem macht es Spaß, wenn ich mich für mein Salzwedel einsetze“, sagt Marco Heide. „Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass sich bei noch mehr Stadträten noch mehr Motivation zum Gestalten einstellen würde“, hofft der Linke-Politiker auf zukünftig einvernehmliches Handeln für die alte Hansestadt.

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