Betreiberfrage wird noch diskutiert: Ausschreiben oder vergeben

Salzwedels Stadträte wollen Tierheim erhalten

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Das Tierheim Hoyersburg wird seit 28 Jahren vom Salzwedeler Tierschutzverein betrieben.

Salzwedel – Während der Tierschutzverein im Tierheim Hoyersburg seine dortigen Investitionen von dem Stadtgrundstück demontiert, beraten die Fraktionen. Generell scheint die Linie klar – die Stadträte wollen die Hoyersburger Einrichtung erhalten.

Das Problem ist nur das Wie und durch wen? Der Tierschutzverein ist hoffnungslos zerstritten und verfügt über kein geschultes Personal, so wie es die Buchstaben des Gesetzes verlangen.

Die Augen zugedrückt

Der Altmarkkreis hatte dem Tierschutzverein am 3. Juni dieses Jahres die Betriebserlaubnis entzogen, weil es an Fachkräften mangelte, denn der Verein hatte Leiterin und Stellvertreterin entlassen. „Wir haben im Vorfeld schon die Augen zugedrückt“, kommentierte der zuständige Dezernent, Hans Thiele, gegenüber der AZ. Und noch immer sieht er die Anforderungen des Gesetzes nicht erfüllt. Beiden neu eingestellten Frauen fehle die nötige Qualifizierung – nämlich der sogenannte Sachkundelehrgang nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes, so Thiele. Und begründet: „Es reicht nicht aus, Tierpfleger oder Hundespezialist zu sein, wenn ich ein Tierheim leiten will. Dort ist ein Lehrgang mit Prüfung, die erst einmal bestanden werden muss, notwendig.“ Thiele verweist in diesen Zusammenhang auch auf eine ähnliche Situation im vergangenen Jahr im Gardelegener Tierheim.

Zudem habe das Gericht in einem Eilverfahren bestätigt, dass die Entscheidung des Kreises rechtens sei, sagte Thiele. Da dagegen ein Widerspruch des Tierschutzvereins läuft, seien dem Dezernenten aufgrund des laufenden Verfahrens die Hände gebunden. „Da kann ich nichts ausbaldowern, was rechtswidrig ist“, schilderte er die Situation.

Lehrgang im September

Indes will der Tierschutzverein die neue Leiterin und ihre Vertreterin zu dem geforderten Lehrgang schicken. Dieser läuft vom 2. bis zum 9. September. Bestehen beide die Prüfung, wäre zumindest die Frage der Betriebserlaubnis für das Tierheim geklärt.

Offen ist dann noch die Frage: Wie verhält sich die Stadt weiter. Denn aus dem Rathaus kam am 5. Juni die Kündigung von der Stadt, der das Areal in Hoyersburg gehört, an den Tierschutzverein. Im Rathaus sieht man durch die Rücknahme der Betriebserlaubnis durch den Kreis, die Vereinbarungen zwischen Stadt und Verein nicht mehr erfüllt. Der Verein wiederum will nun einen Wertausgleich. Denn in den 28 Jahren investierte der Tierschutzverein nach eigener Aussage rund 250 000 Euro ins Hoyersburger Tierheim.

Standort Hoyersburg

Die Situation scheint verfahren. Die AfD hatte sich nach dem Hilferuf aus Hoyersburg in einer sofort einberufenen Sondersitzung der Stadtratsfraktion einstimmig für den Erhalt des Tierheims ausgesprochen. Das sehen auch die Linken so. „Das Tierheim muss erhalten bleiben und auch wieder laufen“, machte Stadtrat Marco Heide gegenüber der AZ deutlich. Wie, und in welcher Art und Weise das schnellstmöglich geschehen könnte, das wolle die Fraktion noch besprechen. Denn der Sache nütze es nicht, wenn der Tierschutzverein nach dem 9. September wieder eine Betriebserlaubnis aber kein Grundstück mehr hat.

Auch Martin Schulz von den Grünen springt auf den Zug, das Tierheim zu erhalten, auf. „Kein Verkauf des Geländes durch die Stadt“, sagt er. Auch seine Fraktion will, dass es in Hoyersburg weitergeht – will aber noch Details diskutieren. Peter Fernitz (CDU) will das Thema Tierheim und Betriebserlaubnis am kommenden Montag im Kreisausschuss ansprechen. Nils Krümmel plädiert mit seiner Freien Fraktion für den Erhalt am Standort. „Es geht ums Tierwohl, begründete er.

Kein Verkauf

Konkret wurde Norbert Hundt (SPD): Das Tierheim soll in Hoyersburg bleiben. Dessen Betreiben könnte durch eine Ausschreibung geklärt werden oder eventuell auch in einer Kooperation mit dem Tierheim Ahlum, wenn dort genügend Personal vorhanden wäre. Sein Herzblut liege an der Hoyersburger Einrichtung, so Hundt. Er hatte vor 28 Jahren als Bürgermeister der Hansestadt Salzwedel den nun gekündigten Vertrag mit dem Gründer des Salzwedeler Tierschutzvereins, Wolfram Hille, unterzeichnet. „Eine Kreisstadt muss ein Tierheim haben. Das können wir nicht für einen Apfel und ein Ei verkaufen“, tritt Hundt eventuellen Veräußerungsabsichten entgegen.

VON HOLGER BENECKE

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