Abkürzung B 190-Ritze: Landrat spricht mit Landwirten über Infrastruktur

„Stadt muss sich bekennen“

Landrat Michael Ziche (r.) im Gespräch mit den Landwirten. Die fordern unter anderem eine bessere Infrastruktur und für Praktikanten Vergünstigungen beim öffentlichen Nahverkehr. Foto: Ziems

Pretzier „Es funktioniert etwas, und dann wird den Bürgern ein Brett vor den Kopf gestoßen. “ Das ist der Kommentar von Biolandwirt Carsten Niemann zur Sperrung der Verbindungsstrecke zwischen der B 190 und der Ortschaft Ritze.

Auf Fordern der Deutschen Bahn wurde die Piste von der Stadt dicht gemacht (wir berichteten). Das zuständige Amt des Kreises hatte zugestimmt.

Landrat Michael Ziche erklärte gestern während eines Gespräches mit dem Vorstand des Bauerverbandes, dass die Straße nicht gesperrt bleiben muss. Er erneuerte sein Angebot, dass der Kreis die Straße von der Stadt übernehmen und wieder zugänglich machen könnte. Allerdings müsste dafür ein Konzept her, das die Interessen der Bahn berücksichtigt. „Mir ist nicht bekannt, dass es an dem Übergang einen Unfall gab“, sieht der Landrat kein allzu großes Risiko. Zunächst müsse aber die Stadt erklären, was siemöchte. „Sie muss sich bekennen“, erklärte Michael Ziche. In Spitzenzeiten fuhren auf dieser Strecke bis zu 3000 Fahrzeuge – am Tag wohlgemerkt.

Carsten Niemann geht noch weiter. Er kritisiert, dass Bundesstraßen immer wieder repariert werden, obwohl dies noch gar nicht nötig sei, während andere Pisten in einem katastrophalen Zustand seien. Als Beispiel nannte er die Ortsdurchfahrt Ritzleben. Carsten Niemann würde sich einen Gesamtpool für alle Straßen wünschen. Ziche verwies hier auf verschiedene Finanzierungstöpfe und Zuständigkeiten.

Der Kreischef nahm noch weitere Anregungen mit: So bekommen die Landwirte im Vergleich zu früheren Jahren teilweise nur noch ein Viertel an Bewerbungen auf Lehrstellen. Praktika helfen sowohl den Unternehmen als auch den jungen Leuten bei der Entscheidung. Seitens des Bauernverbandes gab es den Hinweis, dass die Schüler für den Bustransfer Rabatte bekommen sollten. Die Anbindungen funktionieren zwar, aber Betriebe auf den Dörfern seien wegen der Kosten gegenüber der Stadt benachteiligt. Landrat Micheal Ziche sagte zu, dies prüfen zu lassen.

Ein weiteres Thema war der geplante Ausbau der Amerikalinie. Die Bahnstrecke verläuft direkt an Pretzier vorbei – in der örtlichen Agrarerzeugermeinschaft rechnet man mit Problemen bei den Produktionszeiten, weil die Flächen nicht mehr so schnell erreicht werden können. 200 Züge sollen pro Tag vorbeirauschen – etwa alle sechs Minuten würde sich die Bahnschranke an der B 190 schließen. Der Landrat machte keine große Hoffnung auf Besserung. Die Planungen seien bereits abgeschlossen. Dennoch möchte er mit der Bahn ins Gespräch kommen.

Von Christian Ziems

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