Manche Salzwedeler Dörfer wollen nicht nur Lückenfüller sein / Bauamt beschwichtigt, wo es kann

Stadt, Land, Flächenplan ...

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Annerose Lahmann (r.) vom Bauamt erlebte im Tylsener Ortschaftsrat keine großen Diskussionen um den Flächennutzungsplan. „Wir wollen den Bestand sichern und haben nicht die großen Wünsche anderer Orte“, meinte Ortschef Klaus-Dieter Schrader (l.).

Salzwedel. Bevor er überhaupt beschlossen wird, ist er schon weit gereist. Gemeint ist der Entwurf des Flächennutzungsplans (F-Plan) für die Einheitsgemeinde Salzwedel.

Und die eigentlich formale Gebietskarte förderte in den vergangenen Wochen wieder einmal latente Reibungspunkte zwischen Kernstadt und Dörfern zutage.

Die Ortsteile würden von jeglicher künftiger Entwicklung abgeschnitten – so die Angst in vielen Köpfen auf dem Land. Tatsächlich wären planerische Exzesse wie in der Nachwendezeit mit teils überdimensionierten Gewerbegebieten nicht mehr möglich. Und auch ein Haus kann nicht ohne Weiteres in jedes persönliche Paradies gesetzt werden.

So wundert es nicht, dass Bauamtschefin Martyna Hartwich und ihre Mitarbeiterin Annerose Lahmann bei ihrer Tour durch die Orte alle Hände voll zu tun hatten, argwöhnische Dorfeinwohner zu beschwichtigen. Sollte es eine unerwartet hohe Nachfrage nach Bau- oder Gewerbeflächen geben, könne über alles geredet werden, wiederholten sie gebetsmühlenartig. Und zeigten mit dem Planerfinger auf die zuständige Landesbehörde in Halle. Denn diese wolle eigentlich noch viel weniger ausgewiesene Bauflächen in der Einheitsgemeinde, wie Annerose Lahmann zuletzt in Liesten sagte. Die Demografie spiele da eine Rolle. Die Stadt habe daher um jeden Platz kämpfen müssen, so die Aussage ein paar Tage zuvor in Buchwitz. Zudem werde die Kernstadt nicht bevorzugt, erklärte Lahmann jüngst in Mahlsdorf. Auf die Ortsteile entfielen fast 50 Prozent der Bauplätze – bei lediglich einem Drittel der Einwohner.

„Wenn man nicht von vornherein etwas anbietet, dann kommt auch keiner“, meinte ein skeptischer Bürger in Buchwitz. Die Zweifel bleiben.

Von Jens Heymann

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