Halbzeit im Amt / Der Haushalt bestimmt ihren Arbeitstag / Interview mit Oberbürgermeisterin Sabine Danicke

Stadt aus der Konsolidierung führen

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Oberbürgermeisterin Sabine Danicke ist die erste Frau im Amt des Oberhaupts der Hanse- und Baumkuchenstadt. Und ihre Bibel ist der Haushalt – auch wenn der gar nicht rosig aussieht.

Salzwedel. Sabine Danicke hat die Hälfte ihrer Legislaturperiode als Stadtoberhaupt der Hanse- und Baumkuchenstadt Salzwedel hinter sich. Trotz eines Riesen-Haushaltslochs blickt sie optimistisch zurück und voraus: „Rundum – wir sind auf einem sehr guten Weg.

“ Die Altmark-Zeitung interviewte die Oberbürgermeisterin zur Amts-Halbzeit.

Altmark-Zeitung: Wie war das nach Ihrem Wahlsieg am 8. März 2008?

Oberbürgermeisterin Sabine Danicke: Eine wahnsinnig große Freude. Zugleich war damit mein neuer Job für mich Gesetz.

AZ: Und Ihr Amtsantritt?

Sabine Danicke: Ich hatte in Wolfsburg einen Arbeitsplatz mit Blick auf das VW-Werk, das Stadion und die Brücke in der Nähe. Und hier bin ich am 11. Juli 2008 in einen dunklen Raum gekommen – alles war zugezogen.

AZ: Inzwischen haben sie das Chefzimmer aufgemöbelt und auch der Eingangsbereich des Rathauses lässt deutlich die gestalterische Handschrift einer Frau erkennen.

Sabine Danicke: Ja, das Bürgermeisterzimmer musste dringend renoviert werden. Es ist das Schaufenster der Stadt, wenn repräsentative Gäste empfangen werden. Das gilt auch für den Eingangsbereich des Rathauses. Dort müssen auch alle Hochzeiten durch. Diese können das Hansezimmer nutzen, wenn draußen schlechtes Wetter ist. Auch deswegen wurde dieser Raum gestaltet. Ich möchte noch einen Pavillon für den Innenhof haben, sodass dort bei schönem Wetter im Freien getraut werden kann.

AZ: Wie sah die Situation bei Ihrer Amtsübernahme 2008 aus, und wie beurteilen Sie die Lage in der wesentlich größeren Hansestadt heute?

Sabine Danicke: Die fetten Jahre waren vorbei. Das wusste ich aber vorher. Doch ich bin ein optimistischer Mensch, der nach vorn blickt. Ich stehe seit 1989 auf der politischen Matte und habe viele ehrenamtliche Aktivitäten gemeistert. Deshalb hatte ich nie Angst, die Geschicke der Stadt in die Hand zu nehmen.

AZ: Und nun das zweite Jahr in der Konsolidierung?

Sabine Danicke: Mein Konzept ist: Konsolidieren und Gestalten gepaart mit Visionen. Sicherlich, auch ich verteile gern, aber wir müssen ein strenges Reglement führen, in dem es keine Begehrlichkeiten gibt. Disziplin ist angesagt. Es ist ein bitterer Weg – aber wir sind auch auf einem sehr guten Weg.

AZ: Ist der Weg aus der Konsolidierung bis 2018 denn zu schaffen?

Sabine Danicke: Das ist das Ziel und bis dahin ist mein wichtigstes Buch der Haushalt. Wenn wir die Konsolidierungsphase früher beenden können, würde ich das als einen Erfolg verbuchen.

AZ: Apropos Erfolg – was sehen Sie als Ihre größten Erfolge seit Amtsantritt an?

Sabine Danicke: Zweifellos den Rathausturmplatz. Das stand auch im Punkt 2 meines Wahlkampfprogramms „... bei politischen Entscheidungen zu beachten, zum Beispiel das Problem Rathausturmplatz bürgerfreundlich zu lösen“. Ich gucke da immer wieder rein. Und es war eine hohe Hürde, die ich mir hineingeschrieben habe. Doch 2011 konnten die Salzwedeler das erste Mal ohne Bretterzaun einem schön gestalteten Platz erleben. Das war für mich der Tag der absoluten Freude. Vor allem auch, weil es mir gelungen ist, das Grundstück nach zähen Verhandlungen 1:1 von den Käufern für die Stadt zurückzubekommen.

AZ: Warum haben Sie sich so sehr für das Lyzeum / Kunsthaus engagiert?

Sabine Danicke: Das ist ein zusätzliches Highlight, ein Pendant zum Rathausturmplatz, das wir brauchen, um die Innenstadt attraktiver herzurichten, denn es ist Stadtbild prägend. Auch dabei war es schon eine meisterliche Leistung, von Käufer (Dietrich von Gruben), Verkäufer (Christian-Ferdinand Isernhagen) und Vermittler (Sabine Danicke) das Gebäude zurückzugewinnen. Nun werden wir die bauliche Geschichte – so weit wie es geht – mitgehen.

AZ: Sie waren in Sachen Kunsthaus auch in Texas, in Houston?

Sabine Danicke: Ja, das wird sich auszahlen. Denn der US-Bürger Gus Kopriva will seine 2 000 Exponate zählende Kunstsammlung, darunter Werke von Picasso, Chagall, Rembrandt und Kollwitz, der Hansestadt für zehn Jahre zur Verfügung stellen. Die Eigentümer des Lyzeums, die beiden Gornig-Geschäftsführer, wollen im Haus sehr viele künstlerische Angebote für Schulen etablieren – ähnlich denen der Arbeitsgemeinschaften im früheren Pionierhaus. Ich drücke uns die Daumen, dass uns das gelingen wird.

AZ: Wie sieht es mit den anderen Projekten und Vorhaben in der Konsolidierung aus?

Sabine Danicke: Diese laufen mit sehr viel bürgerschaftlichem Engagement. So gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Gestaltung der Kreisel als werbende Einfalltore für die Stadt beschäftigt. Für die Hansekogge, die auf den Fuchsbergkreisel soll, haben wir bereits 15 000 Euro gesammelt. Weitere Arbeitsgruppen – Sport und Stadtgrün – arbeiten an runden Tischen, zu denen jedermann kommen kann. Auch das Umsetzen der Marketingwege 2030 stützt sich auf Ehrenamtliche. Der Bürgerhaushalt – trotz Konsolidierung ist die 900-Jahr-Feier / Hansefest genehmigt worden. Das ist Motivation für die Bürger, die mitmachen.

AZ: Welche weiteren Aufgaben sehen Sie für sich?

Sabine Danicke: Ich will die Stadt aus der Konsolidierung führen.

AZ: Die geht bis 2018, Ihre Legislatur nur bis 2015?

Sabine Danicke: Wie gesagt: Vielleicht schaffen wir es früher. Und ich muss noch bis 67 arbeiten.

AZ: Heißt das, Sie treten zur nächsten Wahl um das Bürgermeisteramt wieder an?

Sabine Danicke: Ich bin erst 57 Jahre alt ...

Die AZ dankt der Oberbürgermeisterin der Stadt Salzwedel. Das Interview führte Holger Benecke.

Von Holger Benecke

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