Knöllchen verteilt

Während Bombenentschärfung in Salzwedel: Stadt kassiert Evakuierten ab

Um 14.22 Uhr, als der evakuierte Günter Tanneberger den Strafzettel bekam, waren die Bombenentschärfer und das Verkehrschaos in vollem Gange.
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Um 14.22 Uhr, als der evakuierte Günter Tanneberger den Strafzettel bekam, waren die Bombenentschärfer und das Verkehrschaos in vollem Gange.

Salzwedel – Während in Salzwedel am Freitag die Bombenentschärfer am Zünder drehten, drehten die Politessen ihre Runden in der Stadt. Und verteilten Strafzettel.

Der 82-jährige Günter Tanneberger wohnt an der Thälmannstraße und gehörte zu den Evakuierten. Der Salzwedeler stieg in sein Auto und fuhr zum Kulturhaus. Dort fragte er, wo er sein Auto lassen könne. Er solle sein Glück in der Stadt versuchen, wurde ihm geraten. Tatsächlich fand der Senior einen Parkplatz an der Neuperverstraße gegenüber der Commerzbank. „Ich habe meinen Behindertenausweis auf die linke Seite ins Fenster gelegt und bin gegangen“, berichtet der 82-Jährige.

Als er nach der Bombenentschärfung (gegen 15.30 Uhr) wieder zu seinem Wagen zurückkehrte, hatte er ein Knöllchen hinter dem Scheibenwischer. Zehn Euro wegen Parkens ohne gültigen Parkschein, soll der Rentner berappen. Er ist entsetzt: Während ein ganzer Stadtteil evakuiert wird, schreiben die Politessen in aller Ruhe Strafzettel.

Gestern war Günter Tanneberger dann im Bürgeramt, um Widerspruch einzulegen. „Die gute Frau dort konnte mir nicht zusichern, dass ich damit Erfolg haben werde“, ist der Salzwedeler entsetzt über die gängige Praxis in seiner Heimatstadt. Selbst unter dem Damoklesschwert einer möglichen Bombenexplosion werden die Menschen, die in Angst und Sorge unterwegs sind, abkassiert.

VON HOLGER BENECKE 

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