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Auf der Spur des Falken

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Ein Turmfalken-Männchen fliegt eine Nische auf dem Turm der Salzwedeler Marienkirche an. Von hoch oben haben die Mäuse-Jäger einen guten Überblick über ihr Revier. Nur vor den Habichten müssen sich die Vögel in Acht nehmen. © Benecke

Salzwedel - Von Holger Benecke . Amtsgericht, Marien-, Katharinen- und Mönchskirche sowie am Perver Berg, an der ehemaligen Großbäckerei und auf dem Fuchsberg – in der Hansestadt gibt es zahlreiche Falkenhorste. Olaf Olejnik schaut wie ein Luchs auf den Boden rund um die Marienkirche, wenn er nach den Tieren sucht. Der 41-jährige Vogelkundler, der eigentlich für den BUND das Grüne Band betreut, sucht nach den Spuren der Turmfalken. Das Gewöll, nämlich die haarigen und unverdaulichen Reste der verschlungenen Mäuse, würgen die Tiere wieder aus. Für Olejnik dann ein Zeichen, dass die Tiere da sind. Und die haben ihre Quartiere auch rund um die Kernstadt bezogen. Zum Beispiel auf den Kirchen in Pretzier, Riebau, Cheine, Ritze und vielen anderen. Nur in Groß Chüden nicht, wo Olaf Olejnik wohnt.

Zwei harte Winter haben den Falken zugesetzt. „2009 / 2010 hatten wir 74 Schneetage, 2010 / 2011 waren es 42“, weiß Olaf Olejnik. Und während sich die Mäuse unter einer geschlossenen Schneedecke pudelwohl fühlen, können die Falken ihre Beute von oben nicht erspähen. Bis zu 90 Prozent der Falken-Nahrung sind Mäuse, wie Olejnik auch an den zahlreichen Gewöllen sehen kann, die sein geübtes Auge rund um die Marienkirche oder das Amtsgericht erspäht.

Die beiden harten Folgewinter sind das Problem: Die Falken haben sich durch die milden Jahreswechsel in den 70er, 80er und 90er Jahren sozusagen das Wandern abgewöhnt. Nur noch Ausnahmevögel ziehen in den Süden. Nun kam es in den vergangenen beiden Jahren für die Tiere, die sich den Zug ins Wärmere über Generationen abgewöhnt hatten, ziemlich dicke. Ihre Nahrungsquellen versiegten und damit überlebten viele von ihnen die Winter nicht. „Vor 200 Jahren zogen die Falken regelmäßig im Herbst in den Süden und kamen im Frühjahr zurück“, weiß Olaf Olejnik aus alten ornithologischen Aufzeichnungen.

In Salzwedel ist es jedoch nicht schlecht bestellt um die Turmfalken. „Sie sind seit dem Mittelalter Kulturvögel, die gerne bei den Menschen wohnen. Ebenso wie die Schleiereule und das Steinkäuzchen“, listet der Experte auf. Falken bauen auch kein Nest, sie suchen sich Nischen in hohen Gebäuden. Bald, Mitte April / Anfang Mai, legen die Vögel drei bis fünf Eier. Der Feind der Falken ist der Habicht, der schneller fliegt und somit im Vorteil ist. Weltweit gibt es rund zwei Millionen Falken-Brutpaare.

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