Von Woche zu Woche

Wie sozial ist die Arbeiterwohlfahrt?

Schöne Misere. Das Salzwedeler Mehrgenerationenhaus (MGH) steht auf der Kippe – für die Rettung werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Das reicht von einer Unterschriftensammlung pro MGH bis zur Demo am Pfingstmontag.

Bis zum 30. Juni ist Zeit, ein Konzept zu entwickeln, bis dahin hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO) den Betrieb des Hauses zugesichert, nachdem sie den Mitarbeitern zum 30. Mai gekündigt hatte. Sie schwanken nun vier Wochen länger zwischen Hoffen und Bangen.

Ulrike Meineke

Natürlich ist das Haus eine gute Sache – Jung und Alt unter einem Dach, Integration von Ausländern im sozialen Brennpunkt der Stadt. Aber man muss auch hinter die Kulissen blicken. Das Haus an der Sonnenstraße ist marode – ein DDR-Bau, an dem nicht viel passiert ist. Die Fenster sind alt, der Keller gesperrt, undichte Stellen tun ihr Übriges. Das muss man, wenn es um ein Konzept für das Haus geht, genauso im Blick haben wie die Finanzierungstöpfe und jenen Grund, der die Arbeiterwohlfahrt erst dazu brachte, das MGH schließen zu wollen. Die Gemeinnützigkeit der gesamten Organisation steht auf dem Spiel. Dennoch ist es keine Art und Weise, den MGH-Mitarbeitern am 5. Mai zum 31. Mai zu kündigen und mit ihnen vorher nicht zu reden. Das macht man nicht und das steht der AWO, die sonst so sozial sein will, ganz schlecht zu Gesicht.

Die Arbeiterwohlfahrt hatte das Haus Anfang des Jahres übernommen. Und jetzt, urplötzlich, sollen sich die Probleme aufgetan haben? Hat man bei der Übernahme von der „Ausbildung und Arbeit GmbH“ nicht gesehen, was im Argen liegt?

Der Dreh- und Angelpunkt, der das ganze MGH in Gefahr gebracht hat, ist das Mittagessen für die Senioren. Das soll pro Jahr etwa 4000 Euro Überschuss einbringen. Das Geld fließe zwar wieder in Projekte des Hauses, sei aber trotzdem ein Gewinn im rechtlichen Sinne. Und Gemeinnützigkeit darf nicht gewinnbringend sein.

Deshalb kündigt die AWO also allen Mitarbeitern, was einer Schließung des Hauses, das als hervorragendes Beispiel für umfassende und gelingende Integration steht, gleichkommt. Aus heiterem Himmel. Da darf man schon fragen, ob die ach so soziale Arbeiterwohlfahrt bei der Übernahme des Hauses richtig in die Papiere geguckt hat.

Von Ulrike Meineke

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