Altperverstraße: Einst wichtige Geschäftsmeile, heutzutage unattraktiv / Suche nach Lösungen

Das Sorgenkind der Hansestadt

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Der mittlere Teil der heutigen Altperverstraße in Salzwedel: In früheren Jahrhunderten war es Einfallsstraße in die Stadt, später stark durch Industrie und Handel geprägt. Die einstige Vorzeigeeinkaufsstraße der Hansestadt leidet heutzutage unter diesem Erbe. Die großen Häuser sind nicht einfach zu sanieren.

Salzwedel. Schon Mitte des vorherigen Jahrhunderts hieß es: „Die Altperverstraße ist nicht mehr das, was sie einmal war. “ Ein Ruf, der sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht gebessert hat.

Zu sehr wird die einstige Vorzeigehandels- und Einkaufsstraße mit Leerstand, Verfall und unsicherer Nachbarschaft assoziiert. Kaum zu glauben, dass früher nicht jeder Reisender Zutritt zur Altperverstraße und damit zur Stadt bekam – die Alten und Kranken mussten meist im Perver bleiben.

Ines Kahrens referierte bei der Urania. 

Salzwedels Denkmalschützerin Ines Kahrens zählte am Montag während eines Vortrags bei der Urania auf, was es dort alles gegeben hat: Gerber, Brauer, Brenner, Bäcker, Händler, Gastwirte, Manufakturbetreiber, Bänker, Kaufleute und Möbelbauer. Kurzum: pulsierendes Geschäftsleben.

Früher noch keine Ruine: die Altperverstraße Nr. 17.

Die großen Häuser fallen der Stadt heutzutage auf die Füße. Sie sind meist zu teuer zum Sanieren. 15 von 37 Gebäuden stehen komplett oder teilweise leer. Etwa 30 Prozent der Fassaden seien störend, fasst Ines Kahrens zusammen. Mit den beiden Baulücken gehe also von einem Drittel der Grundstücke eine „negative Wirkung“ aus. Dabei, so die Expertin, stünden Fördermittel bereit, wenn es nur richtige Ideen gäbe. Aber schon so manchem Eigentümer ist das Geld ausgegangen.

Von Jens Heymann

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Kommentar

Ohne Wunder geht nichts

Von Jens Heymann

Früher war alles besser, heißt es immer so schön. Das trifft auf jeden Fall auf die Altperverstraße zu. Was man dabei nicht vergessen darf: Früher hatte die Straße eine andere Bedeutung, lag am Stadtrand und war wichtig für den Handel mit Magdeburg und anderen Städten. Nun ist sie nur noch eine von vielen Straßen, irgendwo im Stadtgebiet versteckt. Ihr fehlen der mittelalterliche Charme, das Grün und schlichtweg ein guter Grund, sich dort länger aufzuhalten. Aber gibt es eine realistische Chance auf Besserung? Ehrlich gesagt, sehe ich diese nicht. Leerstand bei Geschäften hat Salzwedel bereits an attraktiveren Standorten, große Betriebe waren schon kurz nach der Wende nicht mehr erwünscht, und so viele Einwohner hat die Stadt nicht mehr. Wer Millionen in eines der Häuser stecken soll, der kann auch gleich woanders neu bauen. Passiert kein finanzielles Wunder, fällt dort bald noch mehr zusammen.


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