Weidmänner beklagen dramatisch steigende Waschbären-Population / Prämie oder Giftköder

„Sonst überrennen die uns“

Der niedliche Waschbär ist ein Allesfresser und eine Gefahr für das Niederwild.
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Der niedliche Waschbär ist ein Allesfresser und eine Gefahr für das Niederwild.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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Riebau. „Allein von April bis jetzt haben wir in unserem Revier 45 Waschbären gefangen.“ Wilfried Bettzieche und seine Jägerkollegen Uwe Ösemann und Dirk Schulz haben alle Hände voll zu tun, um im Riebauer Revier neben der Wildschweinplage der dramatischen Waschbärpopulation Herr zu werden.

Um das Jahr 2005 tauchten immer mehr der nordamerikanischen Einwanderer rings um Riebau auf. Seit fünf Jahren fangen die drei Jäger jedes Jahr rund 100 Waschbären mit ihren zehn Fallen. Allein diese zu betreuen, nimmt Tag für Tag rund anderthalb Stunden in Anspruch, weiß Wilfried Bettzieche. Morgens und abends müssen die Fallen, die über das rund 600 Hektar große Revier verteilt sind, abgefahren und kontrolliert werden. „Das edle Weidwerk wird durch harte Arbeit bestimmt und nicht durch das Vergnügen, wie viele denken“, runzelt Bettzieche die Stirn. Zugleich ist er den Jagdgenossen dankbar, dass sie die Jäger beim Kauf der Fallen finanziell unterstützt haben.

Neben den Wildschweinen machen den Riebauer Jägern Uwe Ösemann (v.l.), Dirk Schulz und Wilfried Bettzieche die Waschbären zu schaffen.

Und es hat sich ausgezahlt. Der Niederwildbestand, insbesondere Fasane, Rebhühner und Hasen, hat sich deutlich erholt, berichtet Bettzieche. Denn Waschbären fressen alles, was ihnen vor die Schnauze kommt. Rücksichtslos plündern sie die Gelege, auch die der Singvögel in den Bäumen. „Die können laufen, klettern, schwimmen – bloß noch nicht fliegen“, nötigen der Allesfresser dem Weidmann Respekt ab. Und er rechnet hoch: Wenn nur von den 100 gefangenen Bären die Hälfte Weibchen sind, die jeweils acht Junge werfen, macht Bettzieche die Dramatik einer ungebremsten Population deutlich.

„Mit der Flinte kommst du denen nicht bei. Du siehst keinen – die sind nur nachts unterwegs. Wenn dir in einem Jahr vielleicht fünf Wahnsinnige vor die Büchse laufen, sitzen die anderen 400 Waschbären im Gebüsch und feixen“, macht der Jäger die Gewitztheit der Kleinbären deutlich und seinem Ärger Luft.

Eine Waschbärenfellmütze wie Daniel Boone hat Wilfried Bettzieche nicht, nur einige der Bärenschwänze hängen an seinem alten Holzindianer.

So bleibt einzig das Fallenstellen. Und das nur, um die Bestände zu dezimieren, um deren drastische Eingriffe in die heimische Natur ein wenig in Grenzen zu halten. Doch nicht alle Jäger sind für diese zeitaufwendige Methode zu begeistern. Denn: „Für das Fell bekommt man nichts und essen kann man die Bären auch nicht“, sieht Bettzieche nur eine Möglichkeit. Nämlich die der Prämie pro erlegtes Tier. „Ich habe nichts gegen zehn Waschbären im Revier – aber gegen 500“, sagt der Weidmann. „Die machen uns das ganze Niederwild kaputt. Ich habe mal einen gefangen, der wog fast zehn Kilo, das muss ein Waschbären-Grizzly gewesen sein“, schmunzelt der Jäger. Und macht zugleich auf die hervorragende Futterlandschaft aufmerksam: „Am Grünen Band entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze finden die alles, was sie brauchen.“

Bettzieche sieht nur Prämien oder giftige Köder als Mittel gegen die Waschbären-Invasion. „Sonst überrennen die uns“, ist der Jäger und Heger felsenfest überzeugt.

Von Holger Benecke

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