Die ersten DRK-Helfer sind aus der Hochwasserregion zurück, die nächsten angefordert

„So stelle ich mir ein Kriegsgebiet vor“

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„Wir fühlten uns wie in einem Kriegsgebiet“, empfanden die Sanitäter vom DRK-Kreisverband Salzwedel, wenn sie durch das Krisengebiet zu ihren Einsatzorten fuhren.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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Sechs Tage lang waren Sanitäter vom DRK-Kreisverband Salzwedel fast rund um die Uhr im Einsatz. Torsten Mayer, Michael Boest und Marcel Gabriel (alle Salzwedel) sowie Florian Paul (Wasserwacht Klötze) waren mit zwei Krankentransportern im Krisengebiet unterwegs. Ihr Einsatzgebiet: Ahrweiler, Bad Neuenahr, Dernau und Marienthal. Regionen, in denen sich sonst die Touristen tummeln würden.

Salzwedel / Ahrweiler – „So stelle ich mir vor, sieht es in einem Kriegsgebiet aus. Die Altstadt von Ahrweiler – eine Katastrophe“, sagt Torsten Mayer. Der Sanitäter hat schon viel gesehen, hat bereits drei Hochwasser als aktiver Helfer mitgemacht – sein letztes war 2013 in Fischbeck, wo er als Retter mit Patienten an Bord vor den hereinbrechenden Wassermassen vom Fischbecker Loch fliehen musste. Doch diesmal war alles anders. „Wir kamen nach dem Wasser“, schildert er die entsetzlichen Bilder der Ortschaften mit vielen traumatisierten Einwohnern.

Torsten Mayer (l.) und Florian Paul vor der Zeltstadt des Helferlagers aller Organisationen am Nürburgring.

Mit ihren mobilen Sanitätspunkten waren sie im Dauereinsatz, versorgten tagsüber verletzte Helfer und Einheimische. Neben der Erstversorgung kleinerer Verletzungen standen vor allem Kreislaufschwächen und Erschöpfungen auf dem Hilfsprogramm. Nachts fuhren sie dann zusammen mit Ärzten Medikamente aus. „Ein Zwölf-Stunden-Tag ist ein Pausenfüller dagegen“, berichtet Michael Boest, Fachdienstleiter Sanität, von den Erfahrungen der Einsätze der Altmärker. Hinzu kamen immer wieder Unterbrechungen, weil sich ihre Krankenwagen auf den Straßen Nägel in die Reifen fuhren. „Ich dachte schon, wir haben magnetische Reifen“, schüttelt Torsten Mayer den Kopf. Hilfe für die Helfer gab es dann in der THW-Werkstatt. „Das klappte alles wunderbar – egal, welches Abzeichen du auf der Tür hattest“, schildert Torsten Mayer die Zusammenarbeit der Helferorganisationen.

Auf der Fahrt in die Einsatzgebiete in der Hochwasserregion Ahrtal – die Salzwedeler Sanitäter unterwegs.

Nach sechs Tagen sind sie zurück. Die Helfer müssen regelmäßig abgelöst werden. Neue Anforderungen liegen bei Michael Seeger im DRK-Kreisverband Salzwedel bereits vor. „Fünf Termine und alles, was wir stellen können“, fasst Seeger kurz und knapp zusammen. Die Hilfe im Süden sei noch lange nicht vorbei, schätzt er ein. Und dankt den Arbeitgebern des ersten Teams, die die Ehrenamtlichen für sechs Tage freigestellt haben: Torsten Mayer (Tool GmbH, Nettgau), Michael Boest (VW) und Marcel Gabriel (Elektro-Klupsch, Salzwedel) und Florian Paul (Behne-Blumen, Klötze).

Denn das sei eines der größten Mankos bei den Ehrenamtlichen: Sie wollen helfen und könnten nicht, weil die Firma sie nicht weglasse, macht Michael Seeger deutlich. Deshalb werden auch immer freiwillige Helfer gebraucht. Diese können sich beim DRK-Kreisverband Salzwedel melden: Tel. (03 901) 86 120.

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