IM GERICHT Mann soll Frau eingesperrt und bedroht haben – Prozess eingestellt

„Der sitzt hier mit einem Messer“

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Das Amtsgericht in Salzwedel verhandelte gestern zwei Vorfälle in einem Arendseer Ortsteil von Anfang des Jahres. Das Verfahren wurde eingestellt.

Salzwedel / Arendsee – Der Prozess gegen einen Arendseer wegen Freiheitsberaubung ist gestern durch das Amtsgericht in Salzwedel eingestellt worden.

Der Mann soll Anfang Februar dieses Jahres eine Frau an zwei Tagen in ihrer Wohnung in einem Arendseer Ortsteil festgehalten, sie geschlagen und mit einem Messer bedroht haben.

Dass es keine Verurteilung gab, dürfte vor allem an den recht dubiosen Auftritten der Frau und einiger Nachbarn als Zeugen gelegen haben. Das Gericht nahm ihnen ihre Schilderungen der Vorfälle nicht so richtig ab.

Der Reihenfolge nach: Der arbeitslose Angeklagte wohnte offenbar seit mehreren Jahren in der Wohnung des späteren Opfers. Sein eigenes Zuhause wurde nie fertiggestellt, hieß es vor Gericht.

Der Ärger habe nun im Januar begonnen, so der Angeklagte, als er seine Lebensgefährtin verdächtigte, die Post vom Jobcenter zu stehlen. „Damit ich kein Geld mehr bekomme und man mich rausschmeißen kann“, begründete der Mann.

Also habe er die Frau festgesetzt, lautete der Vorwurf. Dies bestritt der Arendseer, lediglich die beiden Schläge gegen das Opfer räumte er bereitwillig ein. Zwei, drei Flaschen Wodka sollen im Spiel gewesen sein?, fragte Richter Dr. Klaus Hüttermann vorsichtig nach. Der Angeklagte hatte laut Blutprobe auf jeden Fall 2,21 bzw. 2,08 Promille intus.

Erste Zeugin des Prozesses gestern in Salzwedel war das Opfer sowie ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten, ebenfalls arbeitslos. Warum sie denn nicht aus der Wohnung geflüchtet sei, als der Mann draußen beim Holzmachen war, wurde sie gefragt. „Ich kam nicht vorwärts“, so die Antwort.

Ihr Ex habe ein Messer auf dem Tisch zu liegen gehabt und gedroht, sie damit abzustechen, sagte die 64-Jährige aus. „Und er wollte auch meinen Hund gegen die Wand werfen“, hieß es weiter.

Weil Nachbarn sie nach drei Tagen vermissten, machten sich zwei Männer, die ebenfalls gestern als Zeugen vorgeladen worden waren, auf den Weg, um nachzuschauen. „Der sitzt hier mit einem Messer und lässt mich nicht weg“, will das Opfer den Nachbarn bei ihrer Ankunft gesagt haben. „Da habe ich ihm eine geballert, als er mit dem Messer aufstehen wollte“, schilderte der Zeuge dem Gericht. Und sein Begleiter meinte auf die Frage, ob denn die Frau ebenfalls harten Alkohol zu sich genommen haben könnte: „Nein, die trinkt nur Bier.“

Nach dem Vernehmen der Zeugen meldete die Staatsanwaltschaft Bedenken an. Dass die Frau nicht aus der Wohnung geflohen ist und keine überzeugende Begründung dafür liefern konnte, stieß bei der Anklage auf Misstrauen. Außerdem wurde bekannt, dass der Angeklagte mittlerweile eine Gegenanzeige gestellt habe. „Da scheint noch mehr drin zu sein“, drückte die Staatsanwaltschaft ihr Unwohlsein bezüglich der Zeugen aus.

Diesem Gedanken folgte kurze Zeit später auch das Gericht. Die Frau hätte fliehen können – „das steht fest“, erklärte der Richter. „Sie halten sich fern und bleiben trocken“, sagte er in Richtung des Angeklagten, nachdem er das Verfahren wegen geringer Schuld eingestellt hatte.

VON JENS HEYMANN

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