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Hans-Friedrich Franck wäre am 20. Dezember 75 Jahre alt geworden

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Von: Arno Zähringer

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Hans-Friedrich Franck starb im Alter von 26 Jahren an der innerdeutschen Grenze im Wendland. Am 20. Dezember wäre er 75 Jahre alt geworden. © Dannenberger Arbeitskreis für Landeskunde und Heimatpflege

Vor fast 50 Jahren ließ Hans-Friedrich Franck bei dem Versuch, die Grenze zu überqueren, sein Leben.

Blütlingen / Salzwedel – Er wurde nur 26 Jahre alt: Hans-Friedrich Franck. Und starb einen sinnlosen Tod am 17. Januar 1973. In der Nacht zuvor hatte er versucht, die damalige Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik zu überwinden. Dabei löste der Maschinenbauingenieur den Kontakt einer SM-70-Selbstschussanlage aus.

Schwer verletzt schleppte sich Franck auf westliches Gebiet. Die Ärzte im Kreiskrankenhaus Dannenberg konnten sein Leben trotz einer stundenlangen Operation allerdings nicht mehr retten. Am 20. Dezember 2021 hätte Hans-Friedrich Franck sonst seinen 75. Geburtstag feiern können.

Der Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin hat das Geschehen vom 16. und 17. Januar 1973 rekonstruiert. Demnach reiste Hans-Friedrich Franck Mitte Januar in den Raum Salzwedel.

Er streifte zwei Tage durch das Grenzgebiet, um eine geeignete Stelle für seine Flucht in die Bundesrepublik zu finden. Er durchschwamm die Jeetze und lief stark geschwächt weiter. Im dichten Nebel am späten Abend des 16. Januar 1973 erreichte er unbemerkt den ersten Grenzzaun.

Detonation, Schüsse, Schreie und Rufe

Ein Landwirt aus Blütlingen, der damals mit seiner Frau von einer Geburtstagsfeier auf seinen Hof zurückkehrte, wurde akustischer Zeuge des Vorfalls.

Er schilderte später dem Autor Rolf Meyer: „Es war frostfrei, still und sehr neblig. Das Wasser tropfte im Maschendraht. Ich war noch draußen, da hörte ich plötzlich in die Stille hinein die Detonation einer Selbstschussanlage an der Grenze. Das passiert ja öfter, etwa durch Wild. Doch dieses Mal war ungewöhnlich, dass danach Schüsse fielen, in drei Abständen viele Schüsse. Ich hörte auch Rufe oder Schreie.“

Als Hans-Friedrich Franck versuchte, über den mehr als drei Meter hohen Grenzzaun zu klettern, entdeckten ihn die Grenzposten. Weil er die Halterungen des Spanndrahtes der Selbstschussanlage vom Typ „SM 70“ nutzt, um den Metallgitterzaun zu überwinden, löste er die Sprengfalle aus und fiel schwer verletzt über den Zaun.

DDR-Grenzsoldaten schossen bei schlechter Sicht in die Richtung der Fluchtstelle. Vor dem Grenzzaun fanden DDR-Soldaten später ein Paar Halbschuhe. Sie meldeten ihrem Kommandeur: „Feindwärts wurden eine große Blutlache und eine Kriechspur ins westliche Hinterland festgestellt.“

„Macht mich doch gleich ganz fertig, ich kann sowieso nicht mehr“

Hans-Friedrich Franck

Um 23.17 Uhr bemerkten Beamte des Zollgrenzdienstes südlich der Ortschaft Blütlingen eine Detonation, Schüsse und Schreie. Darauf begaben sie sich zum Ort des Geschehens und durchsuchten das Gelände auf westlicher Seite. Eine Blutspur führte zu Hans-Friedrich Franck. Stark verwundet hatte er sich kriechend auf westlicher Seite in Sicherheit bringen können. Mit letzten Kräften war es ihm schließlich gelungen, den Grenzgraben zu überwinden.

Als er gefunden wurde, lag er 150 Meter von der Demarkationslinie entfernt. Vermutlich unter der Annahme, er sei noch auf DDR-Gebiet, sagte er zu den Zollbeamten: „Macht mich doch gleich ganz fertig, ich kann sowieso nicht mehr.“ Während der ersten ärztlichen Versorgung vor Ort sollte der Verletzte eine Bluttransfusion erhalten, die jedoch misslang. Ein Riss in der Schlagader im Oberschenkel verursachte einen so hohen Blutverlust.

Hans-Friedrich Franck wurde gegen 1.20 Uhr ins Kreiskrankenhaus Dannenberg eingeliefert. Dort stellte man insgesamt zwölf Splitterverletzungen am rechten Oberarm, am linken Bein, Ober- und Unterschenkel sowie am Brustkorb fest. Einem OP-Team von vier Ärzten glückte zwar eine Gefäßnaht, aber der Blutverlust war zu hoch gewesen.

Trotz mehrstündiger Operation und der Blutspenden von insgesamt acht Menschen, darunter sechs Beamte des Bundesgrenzschutzes, versagte das Herz des 26-Jährigen gegen 8 Uhr. Franck kam im Krankenhaus praktisch ausgeblutet und stark unterkühlt an. Diese beiden Hauptfaktoren seines Zustands bei der Einlieferung waren es wohl, warum der 26-Jährige letzten Endes die Operation nicht überlebte.

Franck trug bei seiner Flucht einen dunklen Anorak mit Plüschfutter und eine dunkle Cordhose. Er hatte seinen Ingenieurbrief, einen Personalbogen sowie seinen Lebenslauf bei sich. Den Dokumenten ist zu entnehmen, dass er erst Anfang des Jahres die Ingenieurprüfung als Maschinenbauer bestanden hatte.

Aus weiteren Unterlagen, die er bei sich trug, ging hervor, dass Franck ein Stellenangebot eines Fischkombinats in Rostock erhalten hatte. In einem Brief, der ebenfalls bei ihm gefunden wurde, deutete er an, dass er die Stelle nur annehmen werde, wenn seine Frau auf demselben Dampfer wie er fahren dürfe.

Inwieweit diese ungeklärte Situation oder auch weitere Unstimmigkeiten die Motivation zur Flucht förderten, lässt sich anhand der Überlieferungen nicht abschließend klären.

Hans-Friedrich Franck wurde am 20. Dezember 1946 im Kreis Wismar auf der Insel Poel geboren. Sein Vater stammte aus Mecklenburg, seine Mutter aus dem Sudetenland. Franck hatte freiwillig bei der Volksmarine gedient und war während seiner Militärzeit auch als FDJ-Sekretär tätig.

In den letzten drei Tagen seiner Dienstzeit als NVA-Wehrpflichtiger hatte Franck eine Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten. Franck hatte kritisiert, dass seiner Meinung nach ein falscher Befehl ausgegeben worden sei.

Zwar wurde seine Auffassung später bestätigt, doch weil Franck während des Streits seinen Vorgesetzten als „rotes Hemd“ bezeichnet und dieser den Vorfall gemeldet hatte, wurden Franck die „Bestenabzeichen der NVA“ aberkannt und er außerdem degradiert wurde. Zudem wurde er nicht mehr zur Seefahrt auf den Meeren zugelassen.

Nach seinem Tod teilte der Rat des Kreises Wismar den niedersächsischen Behörden auf deren Anfrage mit, dass die Familie des Verstorbenen angeblich keinen Wert auf die Überführung des Leichnams in die Heimat lege.

Frack wurde in Dannenberg bestattet

Die Beerdigung Hans-Friedrich Francks fand am 19. Januar 1973 in Dannenberg statt. Am späten Vormittag fanden sich mehrere Personen am Unglücksort ein und errichteten auf der westlichen Seite zum Gedenken an den Verstorbenen ein Kreuz aus Birkenholz.

Nach dem Aufstellen eines Kreuzes auf der Ostseite im Jahr 1992 hat das Landesamt für Denkmalpflege die Gedenkstätte für Hans-Friedrich Franck in die Liste der Denkmäler Sachsen-Anhalts aufgenommen.

Im Februar 1973 eröffnete die Staatsanwaltschaft Lüneburg ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes gegen unbekannt.

Die Wiederaufnahme des Verfahrens in den 1990er-Jahren führte in Verbindung mit dem Gerichtsverfahren 1993 gegen die Mitglieder des Nationalen Verteidigungsrates der DDR zur Verurteilung des ehemaligen Ministers für Nationale Verteidigung, Heinz Keßler, und dem ehemaligen Chef des Hauptstabes der Nationalen Volksarmee, Fritz Streletz. Die Haftstrafen von sieben und fünf Jahren wurden nach Verbüßen von etwa zwei Dritteln aufgehoben.

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