Karneval: Verkleiden ja, aber nicht als Indianer? – Kommentar von Altmark-Redakteur Stefan Schmidt

Wo sind all die Indianer hin?

+
Bekannt aus den Winnetou-Filmen: Pierre Brice als Winnetou.

Aschermittwoch ist vorbei. Und damit auch die diesjährige Karnevalszeit. Die Narren haben sich in den vergangenen Tagen verkleidet, liefen bunt kostümiert und froh gelaunt umher.

Aber bitte nicht als Indianer. Eine Kita in Hamburg hatte dies den Eltern mitgeteilt und sie darum gebeten, ihren Steppkes keinen Indianerschmuck anzuziehen und sie nicht als Rothäute zu verkleiden. Weil dies einer Verunglimpfung dieser unterdrückten Menschen gleichkomme.

Sind wir jetzt alle närrisch geworden? Oder zumindest diejenigen, die solche albernen Ideen haben? Und wie weit soll das dann noch gehen – müssen jetzt alle Karl-May-Bücher aus dem Regal verschwinden? Die Schmöker und die dazugehörigen Winnetou-Filme sind auch nicht politisch korrekt. Wie das eben so ist, wenn der Sieger – also der weiße Mann – über die Geschichte schreibt oder sie verfilmt. Oder kennen Sie einen Western, der von einem Indianer produziert worden ist?

Also keine Indianerkostüme mehr beim Karneval. Aber was ziehen die lieben Kleinen stattdessen beim Fasching an – Berufsbekleidung? Viele laufen heute schon als Polizist oder Feuerwehrmann umher. Aber ist das politisch korrekt: Der Ordnungshüter, der mit der Knarre spaßeshalber auf die Erzieherin zielt, der Feuerwehrmann, der freudestrahlend mit dem Schlauch umherläuft? Das hat doch – hoffentlich – nichts mit der Realität, mit dem harten Berufsalltag zu tun. Also dann bitte auch keine Polizisten und Feuerwehrleute mehr beim Karneval.

Schade nur, dass Kinder, sollten sie nicht mehr als Indianer verkleidet herumlaufen, nichts über diese Bevölkerungsgruppe erfahren. Denn vielleicht fragt der kleine Junge, als Apache bemalt, seinen Vater tatsächlich: „Du Papi, was ist eigentlich ein Indianer?“ Der könnte dann antworten: Das sind die Ureinwohner von Amerika. Die wurden vor vielen Jahren vom bösen weißen Mann verjagt oder ermordet. Seitdem leben sie in winzig kleinen, abgetrennten Gegenden. Die heißen Reservate. Und das ist sehr schlimm.

Das wäre dann auch tatsächlich politisch korrekt.

VON STEFAN SCHMIDT

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare