Unterhaltungsverband: 15 Mitarbeiter beackern 1570 Kilometer Gewässer

Sie halten die Gräben in Schuss

Karte
+
Der Unterhaltungsverband „Jeetze“ auf einen Blick: 1570 Kilometer Gewässer II. Ordnung auf rund 110 000 Hektar.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
    schließen

Der Unterhaltungsverband „Jeetze“, einer der größten der 28 Unterhaltungsverbände in Sachsen-Anhalt, kümmert sich um die Gewässer II. Ordnung. Dazu gehören nicht der Arendsee, die Jeetze ab der Mühle Dambeck, die Dumme ab dem Verteilerbauwerk bei Tylsen – alle I. Ordnung – und die Straßengräben, für die die jeweiligen Baulastträger selbst verantwortlich sind.

Das rund 110 000 Hektar große Verbandsgebiet wird von 15 Mitarbeitern beackert – maschinell und dort, wo es nicht anders geht, per Hand. Summasummarum sind das 1570 Kilometer Gewässer II. Ordnung, wovon 1200 bis 1300 Kilometer maschinell bearbeitet werden können.

Neben Mäharbeiten stehen das Entkrauten der Sohlen, das Wiederherstellen von Böschungen und im Winter Abholzungen auf den Arbeitsplänen. Was gemacht werden muss, haben die Verbandsmitarbeiter selbst im Auge bzw. bekommen die Hinweise von kommunalen Vertretern bei den jährlichen Grabenschauen. Letztere liefen in diesem Jahr coronabedingt per E-Mail.

Verbandschef Uwe Heinecke.

Gewässer fallen trocken

Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Die Bäume leiden unter der Trockenheit. „Seit 2018 fallen kleine Gewässer komplett trocken“, haben Uwe Heinecke und seine Mitarbeiter beobachtet. Die Grundwasserspeicher sind über die Winter nicht wieder aufgefüllt worden. „Es gab zu wenig Schnee“, sagt Heinecke. Er sieht gegenwärtig auch bei den größeren Gewässern wie Dumme, Hartau und Tangeln‘scher Bach mit den geringen Wasserständen eine bedenkliche Entwicklung. So habe zum Beispiel das Muschelvorkommen in der Beeke in den vergangenen Jahren „gewaltig gelitten“, spricht Heinecke den naturschützerischen Aspekt der Verbandsarbeit an.

Dazu gehöre aber auch, für höhere Niederschläge gewappnet zu sein. Wie im Juli 2017 oder zum Jahreswechsel 2010 / 2011, wo der Verband durch höhere Niederschläge mit Abflussproblemen zu kämpfen hatte, führt Heinecke an.

Fläche und Erschwernis

Und kommt damit auf die Beiträge zu sprechen. Die Kommunen sind per Gesetz Mitglied in den Unterhaltungsverbänden. Diese erheben Gebühren, die sich nach der Größe des Verbandsgebietes (rund 110 000 Hektar) und den darauf lebenden Einwohnern (rund 47 500) richtet. Hinzu kommt der sogenannte Erschwernisbeitrag. Der Maßstab dafür ist das versiegelte Gebiet. Denn in größeren Ortschaften können die Verbandsarbeiter mit ihren Mähmaschinen nicht einfach dem Fluss- bzw. Bachlauf folgen, da dort Häuser stehen. Folglich fällt dort viel Handarbeit an. Im Verbandsgebiet mache das etwas über sieben Prozent aus, erläuterte Uwe Heinecke.

Flächen- und Erschwernisbeitrag ist dann das, was die Kommunen auf die Grundeigentümer umlegen können. Wobei der Erschwernisbeitrag nur auf Grundsteuer B besteuerte Flächen – also bebaute Areale – vom Verband umgelegt werden kann. Im Unterschied dazu rechnen die Kommunen in Euro je Hektar um. Deshalb differieren die Rechnungen des Verbandes mit denen der Kommunen, geht Heinecke ins Detail.

Entkrautung und Böschungsreparaturen sind die Hauptaufgaben, damit ein störungsfreier Abfluss der Gewässer gewährleistet wird.

Beispiel Salzwedel: Der Unterhaltungsverband bekommt in diesem Jahr von der Stadt 11,33 Euro je Hektar plus 2,64 Euro je Hektar Erschwernis. Die Stadt rechnet das um und zieht von den Grundeigentümern 11,89 Euro je Hektar und 26,02 Euro Erschwernis ein.

Um 1,2 Prozent erhöht


Der Verband selbst bekommt ein Beitragssoll von 1,255 Millionen Euro, 125 500 Euro davon sind Erschwernis. Vergangenes Jahr gab es 1,24 Millionen Euro. „Das ist rein aus Verbandssicht für uns eine Erhöhung von 1,2 Prozent“, hat Heinecke ausgerechnet. Zum Vergleich: Um diese 1,2 Prozent mehr an den Verband zu bezahlen, erhebt die Stadt 2,54 Prozent von den Eigentümern – also mehr als das Doppelte fürs Rechnung schreiben.

Warum nun die Beitragserhöhung beim Verband? Zwar sind die Gräben nicht länger geworden, aber die Preise gestiegen – zum Beispiel für Diesel. 90 000 bis 100 000 Euro pro Jahr gibt Heinecke dafür aus. Und die Technik werde zwar effektiver, dadurch aber auch teurer, erläutert der Verbandschef. Und sagt: „Wir haben einen gesetzlichen Auftrag, da können wir uns nicht aussuchen, was wir machen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare