Christopher Klös: „Noch nie habe ich mich so machtlos gefühlt“

Selbsthilfegruppe für Sternenkinder im Familienhof Salzwedel 

Menschen auf Friedhof
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Auf einem Friedhof in Salzwedel werden Sternenkinder beerdigt. Christopher Klös (Mitte) übergab an Inge Schnöckel (l.) und Uta Barthel eine Spende für die Selbsthilfegruppe.
  • VonBernd Zahn
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Wenn ein Kind stirbt, bleibt für die Familie das Rad der Zeit stehen. Manchmal sind schwere Erkrankungen die Ursache, etwa schwerste Stoffwechselstörungen oder ein Herzfehler. Wird so eine oder eine ähnliche Diagnose gestellt, ist nichts mehr, wie es war. Nicht für die kranken Kinder, nicht für die ratlosen Eltern, Geschwister oder sonstigen Angehörigen.

Salzwedel. So erging es auch Saskia Strauß und ihrem langjährigen Partner Christopher Klös aus Brandenburg. Ihre Tochter Lea lebte nur einen Tag und wurde auf einem Friedhof in Salzwedel beerdigt, da sie 700 Gramm Körpergewicht hatte.

Doch für die Mutter und den Vater lebte sie ja auch während der Schwangerschaft, und es entstand bereits eine tiefe Verbindung. Sie wussten, dieses Kind wird nicht leben, aber wenn Lea im Krankenhaus Salzwedel geboren wird, kann sie als Sternenkind beerdigt werden. Vater Christopher: „Ich wollte nicht, dass sie nur entsorgt wird, sondern wir ihr die Ehre geben können, einen Ort der Trauer haben.“

Noch immer bebt und zittert die Stimme von Saskia, Ihr fehlen die Worte an diesem Ort der Trauer. Als wir am Grab stehen, auf das viele herbstliche Blätter gefallen sind und sie von diesem Tag des Todes berichtet. Wir gehen gemeinsam weiter, den ellenlangen Weg auf dem Friedhof, Herbstwetter mit ein paar Sonnenstrahlen, die durch die alten großen knorrigen Eichen streicheln.

Saskia Strauß und ihr Partner Christopher Klös.

Da ist der große Platz der Sternenkinder, wie Kinder, die unter 500 Gramm Gewicht haben, in der Amtssprache eingeordnet werden, wenn sie auf die Welt kamen. Hier ruht ihre Tochter Lili, auf die sie sich so gefreut hatten.

Saskia Strauß und ihr Mann geben nicht auf, sie wirken kämpferisch, fast rebellisch und so voller Liebe zueinander. Eine Liebe, mit der man Mauern überspringen kann, eine Liebe, die die Kraft hat, die Welt aus den Angeln zu heben, so scheint es. Und doch, am Grab von Lili wird es Saskia schwer um das pochende Herz in ihrer Mutterbrust.

Sie fasst sich in Gedanken versunken an den gerundeten Bauch, darunter pocht bereits seit Monaten das Herz ihres dritten Kindes. Ihr Mann hält ihre Hand, er wirkt wie der edle Ritter mit dem Schwert, der seine Familie beschützt.

Er lässt seiner Frau viel Raum, er kennt sie, weiß, was in ihr vor sich geht. Er baut sich auf, übernimmt das Gespräch mit Inge Schnöckel und Uta Barthel vom Familienhof und überreicht eine Spende von 800 Euro für die Sternenkinder.

Er arbeitet in einer Firma, die dafür zuständig ist, die Netzinfastruktur der Deutschen Bahn am Leben zu erhalten, wie er sagt. Es gab eine Anfrage unter der Belegschaft, für welchen guten Zweck die Firma Vossloh 500 Euro spenden soll, und so kam man überein, für die Sternenkinder in Salzwedel 800 Euro zu überbringen. „Noch nie habe ich mich so machtlos gefühlt“, sagte Christopher auf dem Friedhof, als wir am Grab seiner Tochter Lili standen. Machtlos, nichts tun zu können, damit sie lebt. Nicht wenige Beziehungen zerbrechen unter solchen Umständen. Diese beiden jungen Eltern halten weder mit ihrer Trauer hinter dem Berg, noch sind sie still und leise, wenn es um das Thema „Verlust von Kindern“ geht, und das ist gut so. Saskia meint, es ist immer noch ein Tabuthema, das wollen sie mit verändern. Das ist für viele Betroffene wichtig, um den betrauerten Kindern auch offiziell eine Existenz zu geben.

Als „Sternenkinder“ werden Kinder bezeichnet, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Und auch das wurde an diesem Tag deutlich, es ist wichtig, einen Ort für die Trauer zu haben, da es auch viel um Versöhnungsarbeit geht, vor allem auch darum, sich selbst zu verzeihen und nicht in Selbstvorwürfen zu ersticken.

Der Familienhof hat eine Selbsthilfegruppe, die von Uta Barthel geleitet wird. Die Arbeit kann von jedem unterstützt werden, und wer auch etwas spenden möchte, kann das tun unter: EC-Familienhof, IBAN: DE25 810 555 553 004 003 030, Stichwort Sternenkinder.

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