26 Marihuana-Pflanzen vor dem Wohnwagen in Riebau gezüchtet / Start in den Tag nach heißem Kaffee und Joint

Selbsternannte Priesterin baut Cannabis an

klü Salzwedel. „Ich gärtnere gerne, da habe ich gedacht, ich könnte die Cannabispflanzen auch einfach selbst anbauen“, erklärte die 56-jährige Riebauerin im Amtsgericht. Und zeigte sich während der Verhandlung uneinsichtig.

Im Gericht

26 Pflanzen standen vor dem Bauwagen in Riebau. Ein Hinweis per E-Mail hatte die Polizisten im August des vergangenen Jahres in das Dorf gerufen. „Die Angeklagte war kooperativ, wollte die Pflanzen bei unserem Eintreffen selbst ernten, weil die Pflanzen eine Seele haben“, gaben die Beamten zu Protokoll.

Sie bräuchte das Marihuana als Schmerztherapie für ihre Borreliose und Migräne, erklärte die Riebauerin. Von ihrer Ärztin habe sie kein Rezept bekommen, da ihre Diagnose eine Erlaubnis zum medizinischen Konsum nicht rechtfertigen würde. „Da lag es für mich nahe, selbst anzubauen. Nach einem heißen Kaffee und einem Joint konnte ich ohne Probleme in meinen Alltag starten. Und nach einer größeren Tüte kamen mir Erkenntnisse über das Leid der Welt“, so die Angeklagte, die als selbsternannte Priesterin tätig ist. Rund 761 Gramm Marihuana hätten die Pflanzen nach der Ernte erbracht, ergab die Laboranalyse. „Ein Gramm pro Tag reicht mir, um meine Schmerzen zu vergessen“, so die 56-Jährige.

Für Unruhe im Gerichtssaal sorgten die Unterstützer der Angeklagten. Dem Antrag auf einen Rechtsbeistand gab Richter Klaus Hüttermann nicht statt: „Sie haben Ihrem Anwalt das Mandat gekündigt und ich halte Sie für in der Lage, sich durchaus selbst zu verteidigen“, begründete Hüttermann seine Entscheidung.

„Ich brauche das Marihuana. Ich tue doch niemandem weh“, zeigte sich die 56-Jährige im Verlauf der Verhandlung starrköpfig. Andere Medikamente seien viel gefährlicher. „So sehr Sie in Ihrer persönliche Situation durch die Schmerzen beeinträchtigt sind, Sie hatten keine Erlaubnis zum Anbau und das ist strafbar“, versuchten Richter und Staatsanwältin der Angeklagten zu verdeutlichen. Rund 400 Euro Strafe kommen nun auf die Riebauer Priesterin zu.

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