1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Salzwedel

Seiteneinsteiger an der Salzwedeler Lessing-Schule: Ohne sie würde der Unterricht ausfallen

Erstellt:

Von: Lydia Zahn

Kommentare

menschen
Die Lehramtsstudenten Gina Schulze (v.l.), Xenia Milberger, Josephine Strauer und Johannes Frenkel unterrichten neben ihrem Studium an der Salzwedeler Lessing-Schule. © Zahn, Lydia

Laut dem Bildungsministerium in Magdeburg machen Seiteneinsteiger seit mehreren Jahren einen erheblichen Anteil bei den eingestellten Lehrkräften aus. Im vergangenen Jahr sei es etwa ein Drittel gewesen. Wie wichtig Seiteneinsteiger, aber auch Lehramtsstudenten im Schulalltag sind, weiß Heike Herrmann, Direktorin der Salzwedeler Lessing-Schule. Unter den insgesamt 28 Lehrkräften sind drei Seiteneinsteiger und vier Studenten.

Salzwedel – Gina Schulze, Johannes Frenkel, Josephine Strauer und Xenia Milberger studieren Lehramt mit unterschiedlichen Fachrichtungen. Nebenbei unterrichten sie an der Lessing-Schule, und das, obwohl das Referendariat erst später vor ihnen liegt. Dadurch können die Nachwuchskräfte schon jetzt Erfahrungen sammeln und sich etwas dazu verdienen. Und über diese Chance freuen sich nicht nur die Studenten, sondern auch die Schule, schließlich ist der Lehrermangel bundesweit ein anhaltendes Problem.

Johannes Frenkel findet, dass der Unterricht an der Universität oft zu theoretisch ist und kaum auf das echte Lehrerleben vorbereitet. Dem pflichtet auch Direktorin Heike Herrmann bei: „Wenn sie dann ihr Referendariat beginnen, wissen und können sie schon vieles, weil sie die Erfahrungen bereits sammeln konnten.“

Dabei sind die Gründe, warum sich die vier ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben, so unterschiedlich wie sie selbst, wenn es auch Parallelen gibt. Denn wobei sie sich einig sind, ist das „tolle Gefühl, sein Wissen und seine Kenntnisse weiter zu geben. Den Kindern etwas beizubringen“.

Dieser Anreiz dürfte auch hinter der Entscheidung der drei Seiteneinsteiger Dorian Koberstein, Alexander Bittkau und Mathis Graul stecken, sich umorientiert zu haben. Dorian Koberstein ist seit März 2020 an der Lessing-Schule und mittlerweile festeingestellt. Er wollte zwar schon immer Lehrer werden, doch sein Abiturschnitt sei nicht gut genug gewesen. Also konzentrierte er sich auf seinen Plan B, Journalist zu werden. „Dank Frau Herrmann konnte ich meinen Plan A aber weiter verfolgen und Lehrer werden“, freut sich Koberstein darüber, sein Ziel am Ende doch noch erreicht zu haben, wenn auch mit Umwegen.

Doch stößt das nicht bei den Kollegen negativ auf? Anders behandelt würden die Studenten und Seiteneinsteiger im Kollegium oder bei den Schülern nicht, heißt es. „Ich finde, das wäre irgendwo anmaßend und arrogant zu sagen, dass sie weniger wert sind. Sie haben ja auch nicht weniger drauf, schließlich ist eine Vorgabe, mindestens den Bachelor zu haben. Und die Alternative zu den Seiteneinsteigern wäre Unterrichtsausfall“, bringt es die Direktorin auf den Punkt.

Genauso ist es mit den Studenten, denn diese füllen zwei Lehrerstellen mit je 25 Stunden aus. Die vier Lehramtsstudenten geben aber auch zu, dass es manchmal hart sein kann, neben dem Studium zum Lehrer zusätzlich als Lehrer zu arbeiten. Ihre Entscheidung bereuen sie trotzdem nicht.

Noch einen größeren Teil machen Seiteneinsteiger mit neun Stellen an der Comenius-Schule aus. Lehramtsstudenten sind dort aktuell keine, erklärt Schulleiterin Doris Beneke. Am Jahn-Gymnasium unterrichten ein Seiteneinsteiger sowie sechs Studenten.

Auch interessant

Kommentare