Kreis prüft noch einmal Gärrestbehälterbau / Stappenbeckern reicht Engagement der Stadt nicht aus

„Sehen, ob Fehler gemacht wurden“

Immissionsschutz-Sachgebietsleiter Dr. Helmar Tepper (v.l.) vom Altmarkkreis, Bauamtsleiterin Martyna Hartwich, Bürgermeisterin Sabine Blümel sowie Klaus-Dieter Middelhoff und die Bürgerinitiative diskutierten am Gärrestbehälter am Stappenbecker Weg.

Stappenbeck. „Was ist mit dem Schutzgut Mensch?“ Das fragten gestern die Stappenbecker und Buchwitzer, die zahlreich zum Vor-Ort-Termin am Gärrestbehälter am Ortsrand von Stappenbeck erschienen waren, auf einem Plakat.

Ihnen stinkt der Bau mit 41 Metern Durchmesser, acht Metern Höhe und 10 600 Kubikmetern Fassungsvermögen, weil dieser mit 130 bis 150 Metern Abstand einfach zu dicht am Dorf steht. Deshalb hat sich um Klaus-Dieter Middelhoff eine Bürgerinitiative (BI) gegründet. Der Bau der Anlage wurde gestoppt.

Doch die Stappenbecker laufen weiter Sturm. Zum gestrigen Vor-Ort-Termin war Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel mit Bauamtsleiterin Martyna Hartwich und Bürgeramtsleiter Andreas Hensel erschienen. Von der Genehmigungsbehörde für den Behälter, das ist der Altmarkkreis, kam der Sachgebietsleiter für Immissionsschutz, Dr. Helmar Tepper, nach Stappenbeck. Auch der Investor, der Geschäftsführer der Tier- und Saatzucht Mahlsdorf GmbH, Burkhard Thiede, stand Rede und Antwort. Nur Stappenbecks Ortsbürgermeister Michael Bade war nicht dabei.

Gegenwärtig liegt ein Baustopp auf der Anlage, gegen den Burkhard Thiede interveniert. Dieser Antrag muss von einem Gericht entschieden werden. Dabei werde auch die BI gehört. „Eine Entscheidung, kein Prozess“, machte Dr. Tepper deutlich. Bürgermeisterin Blümel war der Meinung: „Das gehört nicht hierher.“ Das sei nicht öffentlich. Dem widersprach Kreismitarbeiter Tepper aufs Entschiedenste. „Doch, das gehört hierher.“

Auch der Kreis prüft nun noch einmal die Genehmigung. „Ein Zwischenergebnis liegt noch nicht vor. Es geht seinen verwaltungsrechtlichen Weg“, sagte Dr. Tepper. Und weiter: „Danach sehen wir, ob Fehler gemacht worden sind.“

Wer dafür bezahlen muss, auch das beschäftigte die Stappenbecker. Liegt der Fehler beim Kreis, könne sich Investor Thiede an diesen wenden, so der Sachgebietsleiter. „Also bezahlen wir das“, knirschten am Gärrestbehälter die Zähne.

Geschäftsführer Burkhard Thiede hat Einbußen.

Landwirt Thiede warb für mehr Sachlichkeit. Er wolle auf keinen Fall Streit mit dem Dorf, in dem auch einige seiner Mitarbeiter wohnen. Burkhard Thiede erklärte, dass er zudem auch noch ein Immissionsschutzdach auf den Behälter installieren lassen werde. Keine Auflage, sondern freiwillig. Was ihn rund 60 000 Euro kosten werde.

Der Landwirt hätte im Vorfeld auch gern mit den Stappenbeckern über sein Vorhaben geredet. Doch da sich niemand an ihn gewandt habe, hielt er alles für in Ordnung. Dass die Stappenbecker von dem Vorhaben erst erfahren haben, als der Behälter schon gebaut wurde, liege an Ortsbürgermeister Michael Bade. Dem seien die Unterlagen zugegangen, erklärten die Stadtvertreter. Als keine Rückantwort kam, hätten sie wie auch 16 andere Träger öffentlicher Belange grünes Licht gegeben.

„Die Hansestadt Salzwedel hat nichts verkehrt gemacht“, sagte Bürgermeisterin Sabine Blümel, die selbst aber nicht neben einem Gärrestbehälter wohnen wollen würde, wie sie am Rande sagte. Zudem sieht sie das Engagement der Stadt als erschöpft an: „Wir können nicht mehr machen, als Ihnen die Möglichkeit zu geben, Dampf abzulassen und Fragen an ihre Hauptansprechpartner, den Kreis und den Landwirt, zu stellen.“

Der Ausgang des Gespräches war gestern weder für die Stappenbecker noch für den Landwirt, der bares Geld einbüßt, befriedigend. Zu viele Fragen blieben offen.

Von Holger Benecke

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