„Herr der Maden“: Nichts für schwache Nerven

Ich sehe was, was du nicht siehst

Er hat die Gabe, diffizil beobachten zu können. Das macht Mark Benecke zum geborenen Spurenleser. Er zählt zu den talentiertesten Kriminalbiologen weltweit. Foto: M. Benecke

Salzwedel. Bekannt ist er als der „Herr der Maden“, doch von Maden sprach er nicht viel.

Die Rede ist von Mark Benecke, einem der wohl bekanntesten Kriminalbiologen Deutschlands, der schon in zahlreichen Fernsehshows wie zum Beispiel „Hart aber Fair“ und „MTV Home“ zu sehen war.

Am Sonntagabend kehrte er höchstpersönlich samt Frau und Haustier ins Salzwedeler Kulturhaus ein, um das vielzählig vorhandene Publikum mit Bestandteilen seiner Arbeit, der Forensik, zu beeindrucken – bzw. zu schocken. Denn die Bilder, die Benecke zeigte, waren nichts für schwache Nerven, weshalb er vor den besonders schlimmen Bildern eine Warnung aussprach.

Der erste Teil seiner Bühnenpräsentation bestand hauptsächlich daraus, dass Mark Be-necke erklärte, wie ein Forensiker die Welt sieht: „Ich glaube den Spuren, nicht den Menschen, denn diese erzählen einem nur das, was sie glauben zu wissen. Doch selbst die objektiv vorhandenen Spuren verraten einem nicht immer, was genau in einem Mordfall passiert ist. Daher ist die Arbeit eines Kriminalbiologen sehr aufwendig“, beschrieb Benecke den Hauptbestandteil seiner Arbeit.

Beispielhaft erläuterte er diesen Sachverhalt an Bildern, die er auf der Reise nach Salzwedel machte. Sie zeigen auf den ersten Blick nichts Besonderes, doch wurden zuvor ungeahnte Zusammenhänge durch die Augen eines Kriminalbiologen wie Mark Benecke ersichtlich.

Die Pausengestaltung übernahm der authentische Kriminalbiologe samt seiner Frau Lydia und Kaninchen Hermine, das bei keinem Auftritt fehlen darf. Mark Benecke stellte sich für Fotos bereit, plauderte mit dem Publikum und setzte sein Autogramm auf manch merkwürdige Dinge. „Früher durfte ich noch Dekolletés signieren, heute sind es Lesebrillenetuis“, erklärte er augenzwinkernd. Höhepunkt der Pause war der selbstentworfene „Grabbeltisch“, bestehend aus Ikea-Ersatzteilen, Zeitschriften, Schnürsenkeln, Garn und weiteren nützlichen Dingen. All diese Sachen hatte das Ehepaar in seiner Wohnung gefunden, das Publikum durfte sich nach Herzenslust bedienen.

Im zweiten Teil war es den Zuschauern möglich, zwischen vielzähligen Themen zu wählen: Morde im Museum oder die plötzliche Selbstentzündung von Menschen. Dazu setzte sich der Forensiker kritisch mit den Jesus-Darstellungen in mittelalterlichen Gemälden auseinander. Dazu erläuterte der Forensiker Mord und Foltermethoden des Mittelalters anhand dieser Bilder, die zum wiederholten Male zunächst einmal keine tieferen Schlüsse ziehen ließen, jedoch beim genaueren Betrachten Zweifel aufkeimen ließen. Benecke klärte akribisch Fragen wie: Warum sind die Wunden an den Händen Jesus´ kreisförmig? Weshalb fließt sein Blut genau senkrecht ab? Die Zuschauer waren erstaunt über die Detailgenauigkeit und den Hyperrealismus der scheinbar altbackenen Bilder.

Schlussendlich ließ er auch verlauten, dass viele Menschen einen Kriminalbiologen meist mit superheldenähnlichen Muskelmännern, die in halsbrecherischen Aktionen Verbrechen aufklären, assoziieren. Doch Mark Benecke wird schlecht in Flugzeugen und Schiffen, er ist Vegetarier und von eher schmächtiger Gestalt. Trotzdem zählt er zu den meist gefragtesten und talentiertesten Kriminalbiologen weltweit, denn er hat die Gabe des diffizilen Beobachtens, was ihn zum geborenen „Spurenleser“ macht. Wohl jeder wünscht sich, einen so passenden Beruf für sich zu finden.

Dementsprechend begeistert war das Salzwedeler Publikum von dem berühmten, aber doch so auf dem Boden gebliebenen Forensiker.

Von Mirjam Benecke und Sandy Baumbach

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