Wenn der alte Mediziner aufhört: Zwei Salzwedeler klappern die Praxen ab

Die schwierige Suche nach einem neuen Arzt

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Marina und Arthur Kutscher aus Salzwedel suchen seit einiger Zeit einen Hausarzt. Das ist, so haben sie festgestellt, eine schwierige Aufgabe. Denn die Praxen der Stadt sind voll; kein Platz mehr für Neupatienten. Ein Trost bleibt ihnen: 2018 soll eine neue Ärztin in die Stadt kommen.

Salzwedel. Marina und Arthur Kutscher aus Salzwedel haben ein großes Problem. Eines, vor dem sich viele Menschen in der Region fürchten. Sie haben nämlich bald keinen Hausarzt mehr.

Ihr altvertrauter Mediziner geht demnächst in den Ruhestand und hinterlässt auch bei vielen anderen Patienten eine unsichere Versorgungslage.

Für Marina Kutscher bedeutet dies jedenfalls, sich einen neuen Hausarzt suchen zu müssen. Glück hatte sie damit bislang nicht. In drei Salzwedeler Praxen ist sie vorstellig geworden – alle drei haben mit der Begründung abgelehnt, keine neuen Patienten mehr aufzunehmen. Was Ärzten grundsätzlich bei Überlastung ihrer Praxis möglich ist, außer in Notfallsituationen.

Stattdessen habe man sie mit vagen Informationen vertröstet. Nächstes Jahr komme vielleicht ein neuer Arzt, in Pretzier würden eventuell noch Hilfesuchende aufgenommen werden – kurzum: nichts, was der Frau ohne Führerschein schnell weiterhilft.

„Wir hatten gehofft, dass unser alter Arzt seine Patienten einfach aufteilt. Da hängt man nun in der Luft“, sagt Marina Kutscher konsterniert. Soll sie vielleicht künftig in die Notaufnahme des Altmark-Klinikums gehen? Das will sie nicht, und eigentlich ist dies auch nicht Sinn und Zweck derselben.

Menschen wie Marina und Arthur Kutscher stehen stellvertretend für viele Menschen auf dem Land. Sie erleben den wachsenden Widerspruch zwischen steigendem medizinischen Bedarf und gleichzeitig stagnierender oder sinkender Versorgung. Ein Problem, das auch bei Augen- und Zahnärzten sowie im Pflegebereich auftritt. Von den 43 Hausärzten im Altmarkkreis sind 27 50 Jahre oder älter. Bei den 60 Fachärzten sogar 47.

„Beim Spezialisten sehe ich das noch ein, dass man da ein bisschen weiter fahren muss“, meint Arthur Kutscher. Aber wegen einer gewöhnlichen Krankheit extra nach Arendsee fahren? Das erscheint ihm dann doch unnötig. „Es unternimmt niemand etwas“, resigniert Marina Kutscher.

Wie es objektiv um die medizinische Versorgung in der Region aussieht, weiß die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt mit Sitz in Magdeburg. Sie regelt die ärztliche Versorgung der Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen. Um dies zu erreichen, wird für jedes Gebiet – wie etwa Salzwedel und das Umland (ein sogenannter Planungsbereich) – ein maximales Kontingent an Ärzten ermittelt.

Für den Altmarkkreis (außer Gardelegen) sind nach aktuellen Informationen der KV 7,5 weitere Hausarztniederlassungen möglich, bis das Gebiet gesättigt wäre (für den Bereich Gardelegen: 3,5). Bei derzeit 43 Hausärzten wären also noch einige mehr sehr willkommen.

Zurück zu Marina und Arthur Kutscher und ihrer Suche nach einem neuen Hausarzt: Nach mehreren Hinweisen haben sie sich an ihre Krankenkasse gewendet. Diese kenne die Schwierigkeiten einer Arztsuche, wie der AZ auf Nachfrage dort bestätigt wird. Mit Hilfe einer Hotline oder eines Online-Formulars verspricht diese, ihren Versicherten innerhalb von 48 Stunden einen Arzttermin in der Nähe zu besorgen. Sie rät den Hilfesuchenden zudem, dieses Angebot wahrzunehmen. Einen neuen Hausarzt habe ihnen ihre Krankenkasse aber bislang nicht gebracht, so fährt Marina Kutscher fort.

Auch die KV hält im Internet eine Liste mit allen Medizinern und deren Kontaktdaten bereit. Dort könne man sich informieren, teilt eine Sprecherin der AZ mit.

Immerhin: Die AZ erfuhr während der Recherche aus Magdeburg, dass eine Fachärztin für Allgemeinmedizin plane, am 1. April 2018 eine neue Hausarztpraxis in Salzwedel zu eröffnen. Dies werde die Versorgungslage wieder etwas entspannen, heißt es dazu aus der Landeshauptstadt. Und weiter: „Für die Übergangsphase müssen sich die Patienten leider eine gegebenenfalls übergangsweise weiter betreuende Hausarztpraxis suchen.“ Die Arztsuche wird Marina Kutscher bis dahin wohl nicht erspart bleiben.

Von Jens Heymann

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