Angeklagter ist bestens bekannt vor Gericht

Schwarzfahrer muss ins Gefängnis – Weitere Haftstrafen warten bereits

klü Salzwedel. Sechs Anklagepunkte wegen Schwarzfahrens, drei wegen Diebstahls sowie Sachbeschädigung und Körperverletzung wurden vor dem Salzwedeler Amtsgericht gegen einen gebürtigen Gambianese verhandelt.

Und der 27-Jährige, der seit vier Jahren auf sein Asylverfahren wartet, ist kein Unbekannter für Richter Dr. Klaus Hüttermann. Bei einer vorangegangenen Verhandlung hatte der Angeklagte mit rund drei Promille auf dem Tisch im Richtersaal seinen Rausch ausgeschlafen.

Im Gericht

An einem Abend im Februar bestellte sich der Mann ein Taxi zur Flüchtlingsunterkunft auf dem Fuchsberg. Er hätte dringend zum Bahnhof gemusst, weil er sonst seinen Zug verpasst hätte, wäre er gelaufen, berichtet der Angeklagte. Dass er aber kein Geld für die Taxifahrt hatte, war ihm zu diesem Zeitpunkt egal. „Als er ausgestiegen und davongelaufen ist, hat er dabei gerufen ‘Sozialamt zahlt, Sozialamt zahlt’“, berichtet der Taxifahrer vor Gericht. Gemeinsam mit der Polizei habe man den Gambianesen auf dem Bahnsteig gestellt.

Nur gut zwei Stunden später geht ein erneuter Anruf in der Taxizentrale ein. „Da wollte jemand von der Aral-Tankstelle zum Fuchsberg gefahren werden. Als ich vor Ort war, habe ich den Angeklagten wiedererkannt. Da er kein Geld dabei hatte, bin ich wieder weggefahren“, erzählt der Fahrer. Ein paar Meter weiter, bei der SB-Tankstelle, versucht der Angeklagte sein Glück mit einem anderen Taxiunternehmen. Am Fuchsberg angekommen, prellt er den Fahrer um 8,50 Euro. Auch die Bahn hat der Angeklagte mehrmals genutzt, ohne ein gültiges Ticket vorweisen zu können. Rund 67 Euro hätten die Fahrten gekostet.

„Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Ich war oft sehr betrunken“, lässt der Gambianese über seine Dolmetscherin sowie seine Verteidigerin ausrichten. Daher hätte er auch im Oktober 2015 volltrunken versucht, im NP-Markt zwei Flaschen Wodka zu stehlen, weil er unbedingt weitertrinken wollte. Minuten später soll er sein Glück im Netto-Markt versucht haben. Zwei Deos sollten unerlaubterweise den Besitzer wechseln. Jedesmal aber werden die Angestellten auf den Diebstahl aufmerksam.

Als der 27-Jährige vor dem Tanzstudio Müller steht, kommt ihm der Gedanke, dass Mittanzen etwas Schönes sei. Allerdings wird er vom Tanzlehrer des Raumes verwiesen. „Dann habe ich da so viele tolle Schuhe stehen sehen. Und meine sind mir viel zu groß. Also habe ich mir welche ausgesucht, die besser passen“, erklärt der Angeklagte den dritten Diebstahl.

Für regelrechte Verwirrung sorgte der Anklagepunkt der Körperverletzung. Mit einem Freund soll sich der 27-jährige Flüchtling an einem Abend im Juni 2016 betrunken haben. Als der Angeklagte die zweite Flasche Whiskey fordert, kommt es zu einem Handgemenge. Kurz darauf randaliert der Gambianese im Flur der Flüchtlingsunterkunft und tritt an der Tür des Sekretariats die Klinke ab.

Fünf Einträge weist das Strafregister des Gambianesen auf. Nötigung, Diebstahl, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie gegen das Aufenthaltsgesetz, Trunkenheit im Verkehr und Widerstand gegen Polizisten. „Wir hatten eine sehr umfangreiche Beweisaufnahme und mit fast zwölf Zeugen eine Flut an Aussagen. Auch wenn es Vergehen im unteren Strafbereich sind, so passiert doch zu oft etwas. Ihr Problem ist der Alkohol“, zog die Staatsanwältin am Ende Bilanz. Und fordert eine Freiheitsstrafe von acht Monaten.

„Ich bitte bei der Urteilsfindung zu berücksichtigen, dass mein Mandant seit vier Monaten bereits im Gefängnis sitzt und dass noch einmal zehn und einmal sechs Monate Haft für ihn ausstehen. Er ist seit Wochen nüchtern und hat die Möglichkeit bekommen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen“, appellierte die Verteidigerin an Richter Hüttermann.

Am Ende wurde der 27-Jährige zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. „Sie sind ein aggressiver und sehr frustierter Mensch. Ihnen nun, auch wenn es geringfügige Delikte sind, eine Bewährung zu gewähren, wäre einfach nur vergebens“, zog Hüttermann einen Schlussstrich.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare