Kinderlähmung, Tetanus, Mumps und Co.: Altmarkkreis landesweit am schlechtesten gerüstet

Schwächen beim Impfen

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„Der Altmarkkreis ist unterdurchschnittlich beim Impfen aufgestellt“, hat Landrat Michael Ziche gestern während des Vorstellens eines neuen Impfkalenders mitgeteilt.

Altmarkkreis. „Der Altmarkkreis ist unterdurchschnittlich beim Impfen aufgestellt“, hat Landrat Michael Ziche gestern während des Vorstellens eines neuen Impfkalenders mitgeteilt. Die Region sei dennoch auf einem insgesamt hohen Niveau, relativierte der Kreischef.

Während der Kreis als Erbe aus DDR-Zeiten bundesweit vergleichsweise gut dasteht, rangiert er im Landesdurchschnitt auf einem hinteren Platz.

Hanna Oppermann vom Landesamt für Verbraucherschutz kennt genaue Zahlen über den Grundimmunisierungsstand. So sind im Altmarkkreis 91,5 Prozent aller Kinder gegen Polio (Kinderlähmung) geimpft. Der Landkreis Stendal ist hingegen Spitzenreiter im Land mit 97,3 Prozent. Bei Diphtherie und Tetanus ein ähnliches Bild: Salzwedel belegt mit 92,3 Prozent den letzten, Stendal mit 98,2 Prozent den ersten Platz. Der nordwestliche Teil Sachsen-Anhalts schneidet auch beim Vorbeugen gegen Hepatitis B schlecht ab. Beim Kampf gegen Masern, Mumps und Röteln verfehlt der Kreis sogar die angepeilte Landesimpfquote von 90 Prozent.

Den Nachholbedarf hat auch Susanne Borchert von der Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt erkannt. Seit mehreren Jahren ist sie diesbezüglich im Altmarkkreis unterwegs. „Die Zahlen sprechen eine klare Sprache“, erklärt sie. „Es gibt in der westlichen Altmark relativ viele Impfgegner.“ Während in Gardelegen ein guter Impfstand herrscht, halten sich die Menschen in der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf eher fern von der Nadel.

Eine Befragung nach den Ursachen aus dem Jahr 2009 hat laut Borchert ergeben, dass neben den erklärten Impfgegnern auch viele Menschen verunsichert oder nicht genügend aufgeklärt sind. Krankheiten wie etwa Masern, Windpocken oder Keuchhusten, die früher häufiger vorkamen, seien heutzutage vielfach aus dem Bewusstsein verschwunden. Mehr Informationen und bessere Aufklärung – wie etwa ein neuer Impfkalender – sollen helfen, mehr Menschen von der Notwendigkeit des Impfens zu überzeugen.

Kinder werden zur Einschulung sowie in der dritten und sechsten Klasse untersucht. Eine Impfpflicht gibt es jedoch nicht; mehr als Empfehlungen an die Eltern können die Mediziner nicht geben. Die Freiwilligkeit hat Folgen: Mehr als jeder vierte Drittklässler im Altmarkkreis kann keine plausiblen Impfdaten vorweisen. Bei Erwachsenen nimmt die Anzahl tendenziell noch weiter ab.

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