Salzwedel: Verbotene Druckluftwaffe vermutet

Schüsse auf Linie 100: "Da experimentiert jemand mit einer Waffe"

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Aus dieser Richtung (rote Pfeile) wurde zweimal auf den PVGS-Linienbus geschossen. Die Geschosse schlugen unmittelbar hinter der Fahrerkabine ein. Die Feuerwehr leuchtete den Tatort aus.

Salzwedel. Diese Fahrt wird Siegmund Oblinger so schnell nicht vergessen: Montagabend trafen Schüsse seinen Bus. Der 63-jährige Salzwedeler ist auf den letzten Metern seiner Tour, der Linie 100 von Magdeburg nach Salzwedel.

Nur auf der letzten Bank sitzt noch ein einzelner Fahrgast. Doch die Fahrt 530 endet erst viel später auf dem Betriebshof der PVGS. Oblinger denkt gerade darüber nach, dass er am nächsten Tag seine Rente beantragen will, da knallt es zweimal, und die Scheibe unmittelbar hinter ihm geht zu Bruch. „Ich dachte, das sind Schüsse“, handelt Oblinger sofort und steigt auf die Eisen.

Experte:  „Da experimentiert jemand mit einer Waffe herum“

Einer der beiden Einschüsse im Busfenster – Experten ordnen diese Luftdruckwaffen zu, die in Deutschland verboten sind.

Kriminalpolizisten schauen sich die beiden Einschüsse an, die die zwei Fenster hinter dem Busfahrer zerstört haben und lassen das Fahrzeug sicherstellen. Gestern lief die kriminaltechnische Untersuchung, brachte keine neuen Ergebnisse. „Die genaue Ursache ist bislang unklar. Es wird auch die Möglichkeit einer Schusswirkung durch eine Luftdruckwaffe in Betracht gezogen“, so die Polizei.

Die AZ sprach mit einem Waffenexperten, der die Einschüsse eindeutig einer Luftdruckwaffe mit hoher Joulezahl zuordnet. Deren Geschosse zerplatzen, deshalb konnte nichts gefunden werden. Aufgerüstete Waffen dieser Art sind in Deutschland verboten. „Damit kannst du jemanden erschießen“, sagt der Experte.

Und ist sich mit Blick auf weitere Polizeimeldungen sicher: „Da experimentiert jemand mit einer Waffe herum.“ Denn zwischen Sonnabend, 13 Uhr, und Montag, 17 Uhr, ist ganz in der Nähe der Aral-Tankstelle auf eine Schaufensterscheibe eines Friseurgeschäftes am Penny-Markt geschossen worden. Am Sonntag wurde gleich dreimal „vermutlich mit einer Luftdruckwaffe“, so die Polizei, auf die Frontscheibe eines Mercedes-Transporters geschossen. Der Wagen stand zur Tatzeit (22.30 bis 23 Uhr) auf einem Hinterhof der Buchenallee 9. Die Scheibe wurde nicht durchschlagen, Teile platzten heraus.

Von Holger Benecke

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