Stadt wurde bereits vor anderthalb Jahren in die Pflicht genommen

Schon wieder ein Schwerverletzter

aufmündung
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So (grün) statt wie bisher (rot) sieht das Ergebnis der Verkehrsunfallkommission für die Aufmündung Brücken- / Thälmannstraße aus.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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Erneut hat es am Montag einen Verkehrsunfall an der Einmündung Brücken-/ Thälmannstraße gegeben. Wieder mit einem Radfahrer. Dieser wurde bei dem Zusammenstoß schwer verletzt (wir berichteten). Bereits im April vergangenen Jahres hatte die Verkehrsunfallkommission des Altmarkkreises die Stadt Salzwedel in die Pflicht genommen, dort bauliche Veränderungen vorzunehmen. Passiert ist bislang nichts. Baulich jedenfalls nicht, Verkehrsteilnehmern schon. Wie das schlimme Beispiel von Montag zeigt.

Salzwedel - Hintergrund: Die Verkehrsunfallkommission war mit ihrem Latein am Ende. Jahrelang wurde alles versucht, die Unfallrate an diesem Schwerpunkt mittels Verkehrsleiteinrichtungen ohne bauliche Veränderungen einzudämmen. Dazu gehörten überdimensionale „Vorfahrt gewähren“-Schilder auf beiden (!) Seiten der Fahrbahn, gleiche Schilder auf die Fahrbahn gemalt sowie extra rot markierte Fahrradstreifen.

Alles versucht: Umbau nötig

Alles half nichts. Von 2017 bis 2019 ereigneten sich trotz aller Maßnahmen an der Einmündung 25 Verkehrsunfälle, bei denen elf Menschen verletzt wurden. 2020 waren es acht Unfälle mit drei Verletzten. Also: 33 Unfälle mit 14 Verletzten. Die ursprüngliche Vermutung, dass die Radfahrer die Verursacher seien, zerstreute sich schnell. Es liegt an den Autofahrern, hatte die Auswertung der Unfallberichte ergeben.

Konkreten Vorschlag vorgelegt

Letztendlich kam die Kommission zu dem Schluss, dass nun nur noch bauliche Veränderungen helfen können, um die Gefahr einzudämmen bzw. ganz zu beseitigen. Dazu wurde auch ein konkreter Beschluss gefasst und der Stadt zur bindenden Auflage gemacht: Der die Brückenstraße wenige Meter hinter der Auffahrt zur Thälmannstraße querende Radweg sollte direkt neben der Fahrbahn Thälmannstraße angeordnet werden. Damit würde es zu nur einem Verkehrsfluss an der Aufmündung kommen und nicht wie bislang zu zwei parallelen, die nur wenige Meter auseinander liegen.

Die gesamten Unfälle dort (kl. Bild, li.) und jene mit Verletzten (kl. Bild, r.) von 2017 bis 2019. Im vergangenen Jahr kamen noch einmal acht Unfälle mit drei Verletzten hinzu.

Parallel statt große Umwege für Ältere

Die Idee, die Querung des Fußgänger- und Radweges etliche Meter auf die Brückenstraße zurückzuverlegen, hatte die Verkehrsunfallkommission verworfen. Es sei gerade für ältere Menschen, noch dazu, wenn sie mit einem Rollator unterwegs seien, nicht zumutbar, derartige Umwege in Kauf nehmen zu müssen, war eine Begründung.

Fazit: Ende April 2020 verpflichtete die Verkehrsunfallkommission den Baulastträger der Straßen – die Stadt Salzwedel – ein Ingenieurbüro zu beauftragen, da eine bauliche Umsetzung projektiert. Auf Nachfrage der AZ nach dem jüngsten Unfall war aus dem Rathaus zu erfahren: „Die Einmündung Brücken- / Thälmannstraße soll aufgrund von erhöhtem Unfallgeschehen baulich verändert werden. Die hierfür notwendigen Maßnahmen bedürfen einer umfangreichen Vorplanung und Mittelbereitstellung.“

Im Zuge der Sanierung nichts gemacht

Zur Erinnerung: Inzwischen sind fast anderthalb Jahre für „eine umfangreichen Vorplanung und Mittelbereitstellung“ vergangen. Weder im Stadtrat noch in den Fachausschüssen wurde das Thema öffentlich diskutiert. Und: Im vergangenen Jahr ist die B 71 saniert worden. Dazu wurde an der Aufmündung Brücken- / Thälmannstraße ein sogenannter Bypass verlegt, um den Umleitungsverkehr aufzunehmen. Dieser wurde im Anschluss wieder beseitigt. Umbauten, wie sie die Unfallkommission vorgeschlagen hat, wurden in diesem Zuge nicht mit vorgenommen.

Die Vorstellungen zu der von der Kommission an die Stadt ausgesprochene Verpflichtung zum Umbau würden dem zuständigen Fachausschuss vorgestellt, teilte das Fachamt weiter mit. Noch einmal: nach gut anderthalb Jahren!

„Gegebenenfalls“ in der Konsolidierung

Und weiter: „Parallel erfolgt eine Mittelveranschlagung für die Haushaltsplanung 2022. Nach dem Haushaltsbeschluss sowie gegebenenfalls der Genehmigung 2022 kann die Beauftragung der Planungsleistungen erfolgen, anschließend die bauliche Umsetzung.“ Übrigens: Die Vertreter des Baulastträgers, also Mitarbeiter des städtischen Bauamtes, haben weder 2020 noch in diesem Jahr an den Beratungen der Verkehrsunfallkommission teilgenommen, obwohl diese Termine verpflichtend sind.

Ein 36-jähriger Radfahrer wurde Montag an der Aufmündung bei einem Unfall schwer verletzt.

Zusammengefasst heißt das: „Gegebenenfalls“ werde im nächsten Jahr geplant. Ein Umbau hängt von den Kosten ab. Und die Hansestadt Salzwedel wird nach Aussagen von Bürgermeisterin Sabine Blümel im kommenden Jahr konsolidieren müssen. Die Chancen sind also gering. Nicht aber für weitere Unfälle. Es bleibt nur zu hoffen, dass keine Menschen ums Leben kommen.

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